Schadstoffe gefährden heimische Fledermäuse

(13.06.2022) Fledermäuse wurden in Europa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer seltener. Gründe dafür sind auch die Belastung mit Schwermetallen und schwer abbaubaren organischen Schadstoffen.

Das zeigt eine aktuelle Studie zu den Beständen der Kleinen Hufeisennase im Bayerisch-Tiroler Alpenraum unter der Leitung der Universität Innsbruck. Urbanisierung und Verlust von Laubwäldern engen den Lebensraum der Fledermäuse zusätzlich ein.

Wo in Europa früher hundert Fledermäuse waren, findet sich heute nur noch eine. So stark sind die Bestände des einzigen flugfähigen Säugetiers hierzulande zurückgegangen. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Verstädterung, Schadstoffbelastung, Rückgang von Insekten und Verlust von Lebensraum.


Kleine Hufeisennase

Die Kleine Hufeisennase, eine der kleinsten in Europa heimischen Fledermausarten, ist so groß wie ein Daumen und lebt bis zu drei Jahrzehnte lang. Auch ihre Bestände haben zwischen 1950 und 1980 extrem abgenommen.

Ein Team um Birgit Schlick-Steiner und Florian Steiner vom Institut für Ökologie der Universität Innsbruck hat mit Partner*innen in Österreich und Bayern die Ursachen für diesen Rückgang näher untersucht.

Messungen der Cadmium- und Bleikonzentration im Kot der Tiere haben teils deutlich erhöhte Werte ergeben. Zwischen dem Aussterben von Kolonien und den erhöhten Bleiwerten gibt es einen starken Zusammenhang.

„Die Schwermetalle verursachen bei Fledermäusen Koordinationsprobleme, die den Jagderfolg reduzieren oder sogar zur Flugunfähigkeit führen können“, erläutert Birgit Schlick-Steiner.

Die Schadstoffe stammen vermutlich aus inzwischen verbotenen Zugaben zu Treibstoffen, aber zumindest teilweise auch aus der Industrie sowie manchen Lacken und Verunreinigungen von Kunstdünger in der Landwirtschaft.

Auch schwer abbaubare organische Schadstoffe haben die Forscher*innen an einigen Standorten gefunden. Sie stammen aus mittlerweile verbotenen Holzschutzmitteln. Diese Schadstoffe mindern die Fortpflanzung und werden in den Fettreserven der Tiere gespeichert, bei deren Abbau im Winter sie die Tiere belasten.

Die Untersuchung der Siedlungsgebiete der Fledermäuse zeigte auch, dass ein Rückgang von Laubwäldern den Lebensraum der Tiere einschränkt.

Umweltgifte reduzieren und Lebensräume schaffen

Der Erhalt der heimischen Fledermauskolonien kann nur sichergestellt werden, wenn die Schadstoffbelastung in der Umwelt reduziert wird.

„Wir sollten auf hoch toxische Holzschutzmittel verzichten und keinesfalls Altbestände aufbrauchen“, mahnt die Ökologin Birgit Schlick-Steiner.

„Auch schwermetallhaltige Produkte wie manche industriell produzierten Düngemittel und Lacke sollten nicht mehr eingesetzt werden.“

Behandeltes Altholz darf nicht als Brennholz genutzt, sondern muss fachgerecht entsorgt werden, um eine Freisetzung der für Tiere – aber auch für Menschen – schädlichen Schwermetalle zu vermeiden.

Das Nahrungsangebot der Fledermäuse wird durch das Insektensterben eingeschränkt, das durch Umweltgifte aus der Landwirtschaft und den Schwund vielfältiger Lebensräume verursacht wird. „Durch die generell geschlossene Bauweise geht Lebensraum für die Fledermäuse verloren“, sagt Schlick-Steiner.

„Es sollten vor allem im ländlichen Raum wieder frei zugängliche, unbeleuchtete Ein- und Ausflugsmöglichkeiten in Dachstühlen geschaffen und der Anteil von Laubbäumen in Wäldern erhöht werden, damit Fledermäuse sich wieder ansiedeln können.“

Bayerisch-Tiroler Forschungsprojekt

Das Projekt protectBats wurde durch das EU-Programm „INTERREG V-A Österreich/Bayern 2014-2020“ finanziell unterstützt und von der Universität Innsbruck (einschließlich Master-Studierende Cornelia Röß) gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (Korbinian Freier, Patricia Darmstadt), dem Landratsamt Garmisch-Partenkirchen, Untere Naturschutzbehörde (Bernadette Wimmer) sowie der Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Südbayern (Andreas Zahn) und der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und Fledermausforschung in Österreich (Anton Vorauer) konzipiert und umgesetzt.

Die umweltchemischen Analysen wurden vom österreichischen Umweltbundesamt (Wolfgang Moche) durchgeführt.



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