Klimawandel bedroht Überleben der Delfine

(29.04.2019) Delfine in Westaustralien haben nach einer Hitzewelle im Meer deutlich weniger Junge zur Welt gebracht als in den Jahren zuvor. Wie Forscherinnen und Forscher der UZH zeigen, hat der Klimawandel einen weiteichenden Einfluss auf den Schutz maritimer Säugetiere.

Shark Bay in Westaustralien Anfang 2011: Eine Hitzewelle lässt die Wassertemperaturen um mehr als 4 Grad über den langjährigen Durchschnitt steigen. Als Folge der langanhaltenden Hitzeperiode sterben grosse Teile der Seegraswiesen und der Fischbestände in dem zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Küstengebiet.

Delfine schwimmen über das Seegras.; Bildquelle: Simon J Allen, Shark Bay Dolphin Research Alliance
Delfine schwimmen über das Seegras.

Forscherinnen und Forscher der UZH haben nun untersucht, wie sich diese Umweltschädigung auf das Überleben und den Fortpflanzungserfolg von Delfinen ausgewirkt hat. Sie nutzten dafür Lang-zeitdaten der Jahre 2007 bis 2017 von hunderten Tieren.

Dabei stellte sich heraus: Die Überlebensra-te der Delfine sank nach der Hitzewelle 2011 um 12 Prozent. Zudem hatten die Delfinweibchen weni-ger Kälber — ein Phänomen, das bis 2017 anhält.

Negativer Einfluss der Hitzewelle beispiellos

«Das Ausmass des negativen Einflusses der Hitzewelle hat uns überrascht», so Sonja Wild, ehemalige Doktorandin an der Universität Leeds und Erstautorin der Studie. «Äusserst ungewöhnlich ist insbesondere, dass sich der Fortpflanzungserfolg der Weibchen selbst nach sechs Jahren noch nicht normalisiert hatte.»

Für den geringeren Fortpflanzungserfolg gibt es mehrere mögliche Erklärungen, die die Forscher im Detail jedoch nicht untersucht haben. So könnten eine Vernachlässigung der Kälber, eine erhöhte Neugeborensterblichkeit oder eine Verzögerung der Geschlechtsreife den gerin-geren Fortpflanzungserfolg nach der Hitzewelle erklären.

Nicht alle Delfingruppen gleich betroffen

Interessanterweise wirkte sich die Hitzewelle nicht auf alle Delfingruppen gleich aus. So waren Del-fine, die Schwämme als Werkzeuge benutzen – eine Technik die kulturell erlernt ist und Delfinen hilft, Nahrung in tieferen Gewässern zu finden – nicht so stark betroffen wie Tiere, die diese Technik nicht beherrschen.

«Wir gehen jedoch davon aus, dass diese plötzlichen Klimaereignisse auf lange Sicht sogar bei Tiergruppen, die sich neuen Umweltbedingungen normalerweise relativ gut anpassen, äusserst negative Auswirkungen haben können», sagt Sonja Wild.

Problematisch für das ganze Meeres-Ökosystem

Die Forschenden der UZH zeigen in ihrer Studie zum ersten Mal, dass marine Hitzewellen nicht nur niedrigstehende Tiere innerhalb von Nahrungsketten bedrohen, sondern auch erhebliche Langzeitkonsequenzen für Tiere an der Spitze haben.

«Marine Hitzewellen werden aufgrund des Klimawandels in Zukunft gehäuft auftreten», so Studienleiter Michael Krützen, Professor am Anthropologischen Institut der UZH. «Dies ist nicht nur problematisch für die langfristige Perspektive von Delfinpopulation, sondern für die gesamten Ökosysteme des Meeres.»

Die Studie wurde mit Mitteln der Schweizerischen Nationalfonds, der National Geographic Society, der SeaWorld Research and Rescue Stiftung, der W.V. Scott Stiftung sowie der A.H. Schultz Stiftung unterstützt.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Im Unterschied zu anderen Tierarten behalten männliche Delfine trotz starken sozialen Bindungen ihre individuellen Pfeiflaute bei.; Bildquelle: Simon Allen, Dolphin Innovation Project.

Individuelle «Namen» ermöglichen Delfinen komplexe Beziehungen

Als einzige Tierart behalten männliche Tümmler ihre individuellen «Namen». Ähnlich wie wir Menschen können sie sich damit besser in den komplexen sozialen Netzwerken, in denen Delfine leben, zurechtfinden
Weiterlesen

Zählung aus dem Flugzeug; Bildquelle: Nino Pierantonio

1,5 Millionen Wale, Delphine und Schweinswale im europäischen Atlantik

Internationale Forschergruppe führt Erhebung durch: Die Bestände sind stabil
Weiterlesen

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Erstmals auch in der Ostsee beobachtet: Delfinattacken auf Schweinswale

Deutsche und Dänische Wissenschaftler untersuchten betroffene Tiere
Weiterlesen

Delfine; Bildquelle: Rob Williams

Keine Patentlösung für Artenschutz von Walen und Delfinen

Internationales Forschungsteam liefert neue Erkenntnisse für die weltweite Ausweisung von Schutzgebieten für Meeressäuger
Weiterlesen

Der Delfin mit Rückenverkrümmung sucht Körperkontakt zu den Pottwalen, den die Meeresriesen erwidern; Bildquelle: Alexander D.M. Wilson/Aquatic Mammals

Pottwale adoptieren Delfin mit Handicap

Im Azoren Archipel wurde ein Team von Verhaltensökologen vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Zeuge einer ungewöhnlichen Beziehung zwischen einer Gruppe von Pottwalen und einem Großen Tümmler mit einer Rückenverkrümmung
Weiterlesen

WWF

Appell an Neuseelands Regierung: Maui-Delfine vor der Ausrottung - 55 Tiere noch am Leben

Die kleinsten und seltensten Delfine der Welt, die Maui-Delfine stehen kurz vor der Ausrottung. Nur noch 55 Tiere leben in den Küstengewässern der Südinsel Neuseelands
Weiterlesen

Irawadi Delphine; Bildquelle: WWF

Forschungsprojekt zur Rettung vom Aussterben bedrohter Flussdelphine

Gewebeproben sollen Aufschluss über Bedrohungen und geeignete Schutzmaßnahmen liefern
Weiterlesen

NABU

18.000 Unterschriften für die Rettung der seltensten Delfinart der Welt

Neuseeländische Regierung muss bedrohte Hector- und Maui-Delfine schützen

Weiterlesen