Fledermausdigitialisierung im Berliner Naturkundemuseum

(13.10.2020) Im Projekt mit dem Namen "COVID-19 Fledertier-Wissensbasis" werden Fledermäuse als mögliche Überträger von Corona-Viren in europäischen Forschungssammlungen erfasst und digitalisiert.

Das Museum für Naturkunde Berlin ist im Rahmen des Synthesys+-Programms an zwei von fünf bewilligten europäischen Digitalisierungsvorhaben beteiligt und baut damit seine Forschungssammlung als moderne Informations- und Forschungsinfrastruktur weiter aus.

Gesellschaft und Wissenschaft werden in Zukunft weltweit und zu jeder Zeit auf eine immense Vielfalt von Sammlungs- und Forschungsdaten zugreifen können und so neuen Nutzen aus ihnen ziehen. „Unsere Vision ist es, mit dem Zukunftsplan das Museum für Naturkunde Berlin als international sichtbares Kompetenzzentrum für integrierte Forschung für Natur zu etablieren, welches disziplinäre und geografische Grenzen überwindet“, sagt Generaldirektor Johannes Vogel.

Berliner Naturkundemuseum

„Mit der vollständigen Digitalisierung der mehr als 30 Millionen Objekte zählenden Sammlung innerhalb der nächsten zehn Jahre wird die Menge der öffentlich zur Verfügung gestellten Daten so stark ansteigen wie nie zuvor. Mit der Öffnung der Sammlung und ihrer digitalen Verfügbarmachung kann Wissenschaft und Gesellschaft einen Beitrag leisten um aus unterschiedlichen Perspektiven neuen Nutzen zu ziehen – für Natur und mit Blick auf die Lösung heutiger sowie künftiger wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Probleme.“

Mehr als 200 neue Coronaviren wurden bisher bei Fledermäusen gefunden, und ca. 35% des bisher sequenzierten Fledermausviroms bestehen aus Coronaviren.

Dennoch wurde bisher nur ein Bruchteil der bekannten Arten auf Viren untersucht. Das Virus, das dem der derzeitigen Pandemie am ähnlichsten ist, wurde bei einer häufigen südostasiatischen Hufeisenfledermausart, Rhinolophus affinis, gefunden.

Im Rahmen des EU-Projekts "Synthesys+" wurde nun ein neues Projekt mit dem Namen "COVID-19 Fledertier-Wissensbasis" bewilligt, an dem neben dem Museum für Naturkunde Berlin noch acht weitere Partner, wie die renommierten Naturkundemuseen in Paris, London und Wien, beteiligt sind.

Ziel ist es, die viralen Informationen und die grundlegenden ökologischen Ansprüche und Verbreitungen nicht nur der Hufeisennasenfledermäuse (Rhinolophidae), sondern auch der phylogenetisch am engsten verwandten Familien, Hipposideridae und Rhinonycteridae, zu sammeln.

Daher wird nun eine Datenbank erarbeitet, in der die Metadaten der in den Forschungssammlungen der Museen verfügbaren Objekte zusammengefasst werden. Dabei handelt es sich um schätzungsweise mehr als 20 000 Exemplare der oben genannten Familien, die in europäischen Sammlungen aufbewahrt werden.

Die Erfassung und Digitalisierung ist Voraussetzung für die weiteren weltweiten Forschungsarbeiten zu Fledermäusen und deren Viren. In Deutschland gibt es übrigens nur zwei Hufeisennasenarten (Rhinolophus ferrumequinum und Rhinolophus hipposideros), die beide keine Gefahr bezüglich SARS-CoV-2 darstellen.



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