Borna Virus beim Menschen: Nach derzeitigen Erkenntnissen Einzelfälle

(30.03.2018) Erstmals wurden bei einzelnen Menschen in Deutschland Infektionen mit dem klassischen Bornavirus (Borna disease virus 1, BoDV-1) nachgewiesen.

Die Infektion, die eine Entzündung des Gehirns auslösen kann, trat bei insgesamt fünf Personen auf, drei davon waren Empfänger von Spenderorganen desselben Spenders. Vier der Patienten sind verstorben.

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. Alle bislang vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es sich bei den menschlichen Erkrankungen um sehr seltene Einzelfälle handelt, teilt die Gesellschaft für Virologie (GfV) mit. Die wissenschaftliche Fachgesellschaft hat zu den aktuellen Fällen eine ausführliche Stellungnahme verfasst.

Die Gesellschaft für Virologie (GfV) betont, dass bislang durch BoDV-1 ausgelöste Erkrankungsfälle vornehmlich bei Schafen und Pferden beobachtet wurden, während Infektionen von Menschen nicht nachgewiesen werden konnten.

Bei dem in den aktuellen Fällen nachgewiesenen klassischen Bornavirus BoDV-1 handelt es sich nicht um das Bornavirus VSBV-1, das vor einigen Jahren vier Todesfälle bei Züchtern von Bunthörnchen, einer Nagetierart, verursacht hat. Die beiden Viren sind jedoch verwandt. Zurzeit gibt es keine gesicherte antivirale Therapie gegen Bornavirus-Infektionen beim Menschen.

Bei einem Teil der aktuellen BoDV-1-Infektionen hatten sich Organempfänger durch die Transplantation der Organe des infizierten Spenders angesteckt. „Unklar ist bislang, auf welche Weise sich der Spender selbst sowie die zwei weiteren Betroffenen mit dem Virus infiziert haben“, erläutert Professor Dr. med. Hartmut Hengel, Präsident der GfV.

Eine Übertragung durch Feldspitzmäuse, dem natürlichen Reservoir des Erregers, scheint derzeit die wahrscheinlichste Infektionsquelle und ist Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Eine Übertragung des Virus von erkrankten Pferden oder Schafen auf Menschen oder andere Säugetiere wurde bisher nicht nachgewiesen. Auch eine Ausscheidung des Virus durch die infizierten Personen konnten Wissenschaftler nicht feststellen. Somit gibt es derzeit keinen Hinweis darauf, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch stattfindet.

Das Vorkommen des BoDV-1 in den Feldspitzmaus-Populationen ist nach heutigem Wissensstand regional begrenzt auf Teile Ost- und Süddeutschlands, Österreichs, der Schweiz und Liechtensteins. Eine Infektion mit BoDV-1 lässt sich derzeit nur bei akut erkrankten Personen sicher diagnostizieren.

Für die mitunter veröffentlichte These, wonach ein großer Teil der Bevölkerung mit dem Virus infiziert sei und ein Zusammenhang mit dem Auftreten verschiedener neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen bestehe, gibt es nach wie vor keine wissenschaftlich fundierten Beweise.

Die Experten der GfV sehen hohen Bedarf an einer weiteren Erforschung des Virus, um offene Fragen hinsichtlich Verbreitung, Übertragungswege, Frühdiagnostik und Therapie des Virus zu klären.

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten, interdisziplinären Projektes „Zoonotic Bornavirus Consortium“ wurden bereits entsprechende Forschungsprojekte begonnen und werden nun weiter intensiviert.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Friedrich-Loeffler-Institut

Klassisches Bornavirus als Auslöser für schwere Entzündungen des Gehirns identifiziert

Untersuchungen identifizierten erstmals das „klassische“ Bornavirus als wahrscheinlichen Auslöser von schweren Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis) beim Menschen.
Weiterlesen

Die Projektpartner von ZooBoCo beim Kick-Off-Meeting in Berlin; Bildquelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Forschungsverbund nimmt gefährliche Bornaviren ins Visier

Seit seiner Erstbeschreibung 2015 wurden in Deutschland vier Todesfälle durch Infektionen mit dem neuen Bunthörnchen-Borna-Virus (Variegated Squirrel Bornavirus) VSBV-1 festgestellt.
Weiterlesen

AGES

AGES-Veterinäre für Abklärung bei Pferdekrankheit ausgezeichnet

Im Frühjahr 2015 mussten zwei Pferde in Oberösterreich wegen Verdachts auf Pferdeenzephalomyelitis eingeschläfert werden. Als Krankheitsursache wurde die Bornasche Krankheit festgestellt
Weiterlesen

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)

Neues Bornavirus auf den Menschen übertragbar

Wissenschaftlern des BNITM und des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) gelang die Identifizierung eines neuen zoonotischen Bornavirus
Weiterlesen

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)

Neues Bornavirus bei Bunthörnchen entdeckt - möglicher Zusammenhang mit Infektionen bei Menschen

Nach dem Auftreten von tödlich verlaufenden Gehirnentzündungen (Encephalitis) bei drei Züchtern von Bunthörnchen in Sachsen-Anhalt zwischen 2011 und 2013 wurden umfangreiche Untersuchungen zu einer möglichen infektiösen Ursache am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) durchgeführt
Weiterlesen

Vetmeduni Vienna

Feldspitzmaus ist Reservoir für Pferdevirus

Forschende der Vetmeduni Vienna haben die Feldspitzmaus als Überträger des Bornavirus identifiziert. Bei Pferden verursacht eine Infektion mit dem Virus eine tödliche Gehirnentzündung
Weiterlesen

Papagei; Bildquelle: Laboklin

Nachweis von Aviärem Bornavirus (ABV) – PCR jetzt verfügbar

Ab sofort steht der PCR-Nachweis von Aviärem Bornavirus (ABV) bei LABOKLIN zur Verfügung. Dieses Virus wird mit dem Auftreten der Neuropathischen Drüsenmagendilatation (Proventricular Dilatation Disease, PDD) in Zusammenhang gebracht
Weiterlesen

FU Berlin

Dem Bornavirus auf der Spur

Internationale Tagung in Berlin am 26. Januar 2008
Weiterlesen


[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...