Aktivitätsmuster von Luchsen erforscht

(05.10.2017) Ein internationales Forschungsteam hat über Monate hinweg die Aktivitätsmuster von 38 Tieren erfasst und ausgewertet

Zu welcher Tageszeit ein Luchs jagt und wie aktiv er ist, hängt vor allem vom Verhalten seiner wichtigsten Beutetiere und von seinen individuellen Eigenschaften ab – die Lichtverhältnisse dagegen spielen für das grundlegende Muster keine entscheidende Rolle.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die ein internationales Forschungsteam um den Forstwissenschaftler Dr. Marco Heurich im Fachmagazin „PLOS ONE“ veröffentlicht hat.


Um das Verhalten der Tiere unter verschiedenen Lichtverhältnissen zu untersuchen, wurden Tiere aus Nordskandinavien mit einbezogen, wo die Sonne im Winter nicht auf- und im Sommer nicht untergeht

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben 38 wildlebende Luchse mit GPS-Halsbändern und Bewegungssensoren ausgestattet. Die Untersuchungsgebiete liegen zwischen Zentraleuropa und dem nördlichen Skandinavien, sodass die Tages- und Nachtlängen in den einzelnen Revieren stark voneinander abweichen.

Das Team hat die Aktivitätsmuster der Raubkatzen an insgesamt mehr als 11.000 Tagen erfasst und anschließend ausgewertet. Demnach sind Luchse in südlicheren Regionen in der Morgen- und Abenddämmerung am aktivsten, und nachts bewegen sie sich mehr als am Tag.

Um die Mittagszeit haben sie ihre größte Ruhephase, und diese ist umso ausgedehnter, je länger das Tageslicht anhält. Dieses Grundmuster zeigen sie allerdings unabhängig von den Lichtverhältnissen: „Selbst am Polartag und in der Polarnacht folgen Luchse einem 24-Stunden-Rhythmus mit einer aktiven und einer ruhigen Phase“, berichtet Heurich.

Wichtiger für die Erklärung der Aktivitätsmuster sind der Studie zufolge individuelle Eigenschaften der Tiere: Heranwachsende Luchse sind aktiver als erwachsene, bei den erwachsenen wiederum zeigen die männlichen eine höhere Aktivität als die weiblichen.

Außerdem bewegen sich die Raubkatzen im Frühling und Sommer mehr als im Herbst und Winter, und je weiter im Norden sie leben, desto größer sind ihre Reviere – was sich in höherer Aktivität niederschlägt.

Zu welcher Tageszeit sie auf die Jagd gehen, wird vom Verhalten ihrer Beutetiere bestimmt. In polaren Regionen ist der Höhepunkt der Aktivität in der Dämmerung weniger stark ausgeprägt.

Dies entspricht dem Verhaltensmuster von Rentieren, die außerhalb ihrer Schlafphasen ein gleichmäßiges Bewegungsprofil zeigen. In Zentraleuropa dagegen hat das Team eine maximale Aktivität in der Dämmerung festgestellt – bei Luchsen ebenso wie bei Rehen.

„Die Ergebnisse dieser Studie sind ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der Lebensweise von Raubtieren in unserer Landschaft“, sagt Heurich. „Sie zeigen auch, dass menschliche Aktivitäten in den Untersuchungsgebieten keinen generellen Einfluss auf das Aktivitätsverhalten der Tiere ausüben.“

Marco Heurich ist Lehrbeauftragter am Institut für Forstwissenschaften der Universität Freiburg, wo er an der Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement bei Prof. Dr. Ilse Storch an seiner Habilitation arbeitet.

Zudem ist er stellvertretender Leiter des Sachgebiets III: Naturschutz und Forschung der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald. An dem Projekt sind die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Schwedische Universität für Agrarwissenschaften, der Nationalpark Šumava in der Tschechischen Republik, die Universität Ljubljana/Slowenien, das Norwegian Institute for Nature Research und das Mammal Research Institute der Polish Academy of Sciences als Partner beteiligt.

Publikation
http://www.plos.org/wp-content/uploads/2013/05/pone-9-12-Heurich.pdf
doi:10.1371/journal.pone.0114143



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Luchs-Zwillinge im Tiergarten Schönbrunn; Bildquelle: Daniel Zupanc

Luchs-Zwillinge im Tiergarten Schönbrunn

Im Tiergarten Schönbrunn sind Luchs-Zwillinge zur Welt gekommen. Unter den wachsamen Augen ihrer Mutter entdecken sie neugierig ihr Gehege
Weiterlesen

WWF

Neue Erkenntnissein der Luchsforschung

Fotofallen und Sendehalsbänder zeigen: Pinselohr durchquert ganz Österreich
Weiterlesen

Luchsbild, das im Wallis mit Hilfe einer Fotofalle entstanden ist.; Bildquelle: Stéphane Mettaz.

Ungewöhnlich tiefe Bestandsdichte des Luchses im Wallis

Eine Erhebung der Universität Bern ergab, dass die Bestandesdichte des Luchses im Kanton Wallis in den vergangenen fünf Wintern aussergewöhnlich niedrig war – dies sowohl im Vergleich mit anderen Teilen der Schweizer Alpen als auch mit früheren Erhebungen aus den 1980er Jahren
Weiterlesen

WWF

Schadenersatz nach Luchs-Abschuss: Nationalpark Kalkalpen wendet sich an den Obersten Gerichtshof

Abweisendes Schadenersatzurteil begünstigt Wilderei an geschützten Arten
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Luchs-Auswilderung durch die Deutsche Wildtier Stiftung im Pfälzerwald

Am Wochenende öffnete sich an einem geheim gehaltenen Ort die Käfigklappe. Innerhalb von Sekunden waren 3 Luchse im Dickicht des Waldes verschwunden
Weiterlesen

Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) ist die größte europäische Katzenart; Bildquelle: Katarina Jewgenow/IZW

Neu- und Wiederansiedlungen von Luchsen erfordern größere Bestände, um genetische Verarmung zu vermeiden

Um Luchse erfolgreich wiederanzusiedeln, spielt die Anzahl an ausgewilderten Tieren eine entscheidende Rolle
Weiterlesen

Luchs; Bildquelle: Tiergarten Schönbrunn/Norbert Potensky

Luchs-Pärchen im Tiergarten Schönbrunn eingetroffen

Im Tiergarten Schönbrunn gab es einen Austausch bei den Eurasischen Luchsen: Die beiden Luchsmännchen, die bisher im Tiergarten gelebt haben, wurden Mitte Februar im Rahmen des Europäischen Zuchtbuches (ESB) an den Zoo Szeged in Ungarn abgegeben
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Schwierige Partnersuche bei den Luchsen

Die Paarungszeit der Luchse (Lynx lynx) beginnt jetzt im Februar, doch die Partnersuche gestaltet sich extrem schwierig: Mister Pinselohr ist sehr selten! Und so verhallen die Rufe der Tiere oft ungehört
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen





[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...