Dank Vogelkot nachgewiesen: ältestes Auerhuhn der Welt

(05.02.2020) Als Pierre Mollet von der Vogelwarte den Vogelkot aufhob, ahnte er noch nicht, dass er einen sensationellen Fund in Händen hielt: Die Hinterlassenschaft stammte vom bisher ältesten Auerhuhn der Welt.

Dieser Weltrekord gelang im Kanton Schwyz. Dieser setzt Schutzmassnahmen für das Auerhuhn um und überwacht dessen Bestände mit einer speziellen Monitoringmethode.

Sempach. – Die nachweislich ältesten Auerhühner der Welt sind mindestens 10 Jahre und 9 Monate alt und leben im Kanton Schwyz. Dies weiss man, da ihr Kot bereits 2009 einmal im Rahmen eines Populationsmonitorings gefunden wurde, welches die Vogelwarte Sempach gemeinsam mit dem Kanton Schwyz durchführt.


In akribischer Kleinarbeit sammelt Pierre Mollet Auerhuhnkot. So kann mit genetischen Methoden die Grösse einer Population geschätzt werden, ohne die Vögel zu stören

Mithilfe molekularbiologischer Methoden ist es möglich, aus Kotproben DNA zu gewinnen. Damit können genetische „Fingerabdrücke“ erstellt und so einzelne Individuen identifiziert werden. Diese genetischen Informationen ermöglichen somit auch Rückschlüsse auf die Grösse einer Population. Ein Beobachten und Zählen der Vögel ist folglich nicht mehr nötig.

„Gerade beim scheuen Auerhuhn ist das Sammeln von Kot eine sehr gute Methode, da die Tiere kaum gestört werden“, erklärt Pierre Mollet, Auerhuhnspezialist an der Vogelwarte Sempach.

Das Auerhuhn lebt nämlich nicht nur zurückgezogen, sondern ist auch bedroht. Seit Jahrzehnten nimmt der Schweizer Bestand ab. Viele Wälder sind für den anspruchsvollen Vogel zu dicht und zu dunkel geworden. Zudem reagiert das scheue Auerhuhn sehr empfindlich auf Störungen. Weil Outdoor-Aktivitäten immer weiter in die Natur vordringen, nehmen auch die Störungen zu.

Im Kanton Schwyz liegen einige der landesweit wichtigsten Gebiete für das Auerhuhn. Der Kanton führt deshalb seit 2009 regelmässig Bestandsschätzungen mittels genetischen Methoden durch und fördert das Auerhuhn mit gezielten Massnahmen bei der Waldbewirtschaftung. Zudem engagiert er sich mit dem Erlass von verbindlichen Besucherlenkungsvorschriften für den Schutz vor Störungen.

Mit Erfolg: „2019 konnten wir mithilfe des genetischen Monitorings im bisher bearbeiteten Teil des Kantons beinahe 90 Auerhühner finden. Das sind so viele wie noch nie seit Beginn des Monitorings vor 10 Jahren!“, freut sich Pierre Mollet.

Und nicht nur das: Das neu nachgewiesene Höchstalter zeigt, dass die Vögel sehr alt werden können, wenn die Lebensraumbedingungen stimmen. Im Kanton Schwyz ist dies offensichtlich der Fall.


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