Aktuelle Studie aus Großbritannien: Welchen Einfluss hat das Vogelfüttern?

(26.11.2019) Viele einst häufige Vogelarten zeigen einen stark rückläufigen Bestandstrend. Besonders betroffen sind die Bewohner landwirtschaftlich genutzter Flächen (Rebhuhn minus 84 Prozent seit 1998, Feldlerche, der Vogel des Jahres 2019, minus 49 Prozent), aber auch in Gärten und im Siedlungsrandbereich gibt es Arten mit teils deutliche Bestandsrückgänge (Girlitz minus 83 Prozent und Bluthänfling minus 52 Prozent).

Eine aktuelle Studie aus Großbritannien zeigt nun, dass der Mensch durch jahrzehntelanges Füttern von Gartenvögeln die Zusammensetzung der dortigen Vogelgemeinschaften direkt beeinflusst hat.


Vogelfüttern
Auf Österreichs Vogelwelt ist diese Studie allerdings nur eingeschränkt übertragbar, informiert die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich. Vogelfüttern darf auch nicht als Allheilmittel gegen den Vogelschwund verstandenen werden.

Das Füttern von Vögeln zur Winterzeit hat nicht nur in Großbritannien, dem Land der Vogelbeobachter und Vogelfütterer, eine lange Tradition. Auch in Österreich sind Futterstellen bei vielen Vogelfreunden beliebt, um Wildvögeln, die den Winter bei uns verbringen, das Überleben in dieser herausfordernden Jahreszeit zu erleichtern und auch, um die Vögel aus nächster Nähe beobachten zu können.

Aktuelle Studie aus Großbritannien

Britische Wissenschaftler stellten nun fest, dass durch diverseres Futterangebot viele Arten die Futterstellen in stärkerem Ausmaß nutzten.

Die Datengrundlage entstand durch wöchentliche winterliche Zählungen in rund 200 britischen Gärten seit 1973/74. „Bemerkenswert ist“, erklärt Gábor Wichmann von BirdLife Österreich, „dass seit den 1970er Jahren mehr Vogelarten in den einzelnen Gärten anzutreffen waren.“

Zu den Arten, die vermehrt die Futterhäuser besuchten, zählen etwa Ringeltauben, Stieglitze, Schwanzmeisen, Buntspechte oder auch Sperber sowie einige in Großbritannien schutzbedürftige Arten: Wacholderdrossel, Feldsperling, Rotdrossel. Haussperling, Star und Singdrossel kommen jetzt hingegen weniger zu den Futterstellen.

Die Britischen Forscher brachten nun die Futterhausnutzung durch die 39 häufigsten Futterhausbesucher mit ihren nationalen Bestandsentwicklungen in Zusammenhang. Das Ergebnis: Die Bestandszahlen der meisten Vogelarten, die seit den 1970er Jahren vermehrt zu den Fütterungen kamen, nahmen landesweit zu, während die anderen eher abnahmen.

Die ist ein eindeutiger Nachweis, dass die winterliche Fütterung zumindest in Großbritannien Einfluss auf ganze Vogelpopulationen hat.

„Für manche Vogelarten scheint das angebotene Futter eine gute Sache zu sein“, so Wichmann, doch er betont: „Der extreme Rückgang der Agrarlandschaftsvögel kann durch das Füttern im eigenen Garten aber niemals ausglichen werden!“

Aussagekraft für Österreichs Vogelwelt

„Leider haben wir in Österreich weitaus weniger Informationen über die Nutzung der Futterhäuser als die Briten, die über eine 40-jährige Zeitreihe verfügen!“, schränkt Wichmann die Aussagekraft dieser Studie für Österreich ein.

Unter den 30 häufigsten Vögeln BirdLife´s „Stunde der Wintervögel“, der österreichischen Vogelzählung am Futterhaus, finden sich etwas weniger Arten mit positivem als mit negativem Brutbestandstrend. Siedlungs- und Offenlandvögel, wie Haus- und Feldsperling, Stieglitz und Türkentaube, könnten durch die Vogelfütterung durchaus auf nationalem Niveau profitieren.

Ein national merkbarer Einfluss auf heimische Waldvögel unter den Futterhausbesuchern, wäre aber in Österreich mit seinem Waldanteil von knapp 48 Prozent und großen unbewohnten Flächen in den Alpen wesentlich schwieriger zu erreichen, so der Vogelkundler.

Zusammenfassung

„Die Studie zeigt, dass Vogelfüttern nicht nur auf der Ebene einzelner Vogelindividuen etwas bewirkt, sondern manche Arten auch auf Populationsebene unterstützen kann, sofern auf die Qualität der Futtermittel und die Hygiene am Futterhaus geachtet wird!“, fasst Gábor Wichmann von BirdLife Österreich die Studie aus Großbritannien zusammen.

„Vogelfüttern ist aber nicht das Allheilmittel gegen den Vogelschwund! Schließlich sind nur ganz wenige Arten der stark unter Druck stehenden Agrarlandvögel am Futterhaus anzutreffen!“

Zum Schutz der Gartenvögel empfiehlt BirdLife Österreich auch eine naturnahe Gartengestaltung, besonders wichtig etwa für Girlitz, Bluthänfling, die viele Wildkräuter brauchen oder die Insektenfresser Gartenrotschwanz, Klappergrasmücke und Grauschnäpper.

„Naturnahe Gartengestaltung hilft der gesamten Artenvielfalt von Schmetterling, Biene bis zu den Vögeln im Garten“, schließt Wichmann. Schließlich brauchen selbst so häufige Futterhausbesucher wie die Kohlmeise ganzjährig ein ausreichendes Insektenangebot.

Publikation

Kate E. Plummer, Kate Risely, Mike P. Toms & Gavin M. Siriwardena
The composition of British bird communities is associated with long-term garden bird feeding
NATURE COMMUNICATIONS | (2019) 10:2088 |


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