Lebensraumnutzung des Ziegenmelkers untersucht

(01.06.2021) Er ist nachtaktiv und sieht dank seiner perfekten Tarnung aus wie ein Stück Holz. Kein Wunder ist zu den Lebensraumansprüchen des legendenumrankten Ziegenmelkers noch vieles unklar.

Die Vogelwarte hat in einem neuen Projekt nun Licht ins Dunkel gebracht und überraschende Erkenntnisse zur Biologie dieser stark gefährdeten Art zu Tage gefördert.

Der Ziegenmelker brütet in lichten Wäldern mit Eichen und Föhren. Förderprojekte für die stark gefährdete Art fokussierten deshalb bislang auf die Aufwertung dieser Waldhabitate. Zurzeit liegt der Bestand schweizweit bei etwa 40-50 Paaren, die sich hauptsächlich in den Trockentälern im Wallis und Tessin konzentrieren.


Dank seiner riesigen Augen entdeckt der Ziegenmelker auch im schwächsten Mondlicht Nachtfalter und Käfer, die er im Flug erhascht

Die Aufwertungen an den Brutplätzen haben aber bislang nicht zur erhofften Bestandserholung des Ziegenmelkers geführt. Daher wollte die Vogelwarte Sempach in einem Projekt herausfinden, welche Lebensraumansprüche der Ziegenmelker hat, die in Förderprojekten noch zu wenig berücksichtigt werden.

Mit seiner nachtaktiven Lebensweise und der perfekten Tarnung, dank derer sich der Ziegenmelker kaum vom Untergrund abhebt, ist es herausfordernd, mehr über die Lebensweise dieses «Geistes» unter den Vögeln herauszufinden.

Dennoch gelang es einem Team der Schweizerischen Vogelwarte im Wallis, über 40 Individuen mit GPS-Sendern auszurüsten, um mehr über die Lebensraumnutzung des Ziegenmelkers herauszufinden.

Die Resultate sind erstaunlich, zeigen sie doch, dass der Ziegenmelker viel stärker das offene Landwirtschaftsgebiet zur Nahrungssuche nutzt, als bisher bekannt war. Die mit GPS-Sendern ausgerüsteten Ziegenmelker suchten vor allem naturnahe Rebberge und extensiv bewirtschaftete Wiesen auf, die nicht zu stark gedüngt und bewässert werden.

Selbst hoch gelegene Alpwiesen wurden im Hochsommer regelmässig aufgesucht. In diesen unterschiedlichsten Lebensräumen, die zum Teil mehrere Kilometer vom Brutplatz in den lichten Wäldern entfernt waren, fanden sie grosse Fluginsekten wie Nachtfalter und Käfer, die ihnen als Nahrung dienen.

Mit diesem Wissen kann dem Ziegenmelker nun besser unter die Flügel gegriffen werden. Insbesondere durch eine biodiversitätsfreundliche Bewirtschaftung von Rebbergen ohne Herbizideinsatz können Insekten gefördert werden, die dem Ziegenmelker als Nahrung dienen. Ebenso wichtig sind der Erhalt und die Förderung traditionell genutzter Grünflächen mit geringem Düngereinsatz und ohne Sprinklerbewässerung.

Publikation

Evens, R., A. Jacot, T. Artois, E. Ulenaers, T. Neyens, L. Rappaz, C. Theux & J.‐N. Pradervand (2020): Improved ecological insights commission new conservation targets for a crepuscular bird species. Anim Conserv 89: 1.


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