Welttierschutzgesellschaft ermöglicht Rettung einer „Galle-Bärin“ in Vietnam

(05.01.2018) Fast 20 Jahre lebte Misha auf weniger als drei Quadratmetern, dazu musste sie das regelmäßige Abzapfen ihrer Galleflüssigkeit erdulden: Dieser grausamen Ausbeutung der asiatischen Kragenbärin konnte mit Unterstützung der Berliner Welttierschutzgesellschaft jetzt ein Ende gesetzt werden.

Gemeinsam mit der Partnerorganisation Free The Bears gelang es in dieser Woche, Misha aus ihrer Gefangenschaft in der vietnamesischen Großstadt Bien Hoa zu befreien und in ein Schutzzentrum im knapp 120 Kilometer entfernten Cat Tien Nationalpark im tropischen Regenwald Südvietnams zu bringen.

Dort steht für die leidgeplagte „Galle-Bärin“ ein großes Freigehege bereit, in dem sie – dem natürlichen Verhalten dieser sozialen Tiere entsprechend – zusammen mit anderen Kragenbären leben kann.


Mishas Käfig vor ihrer Befreiung

Bereits 1998 – als etwa einen Monat altes Jungtier mit einem Gewicht von nur 1,8 Kilogramm – gelangte Misha in den Besitz der Familie, die das Tier in einem engen Käfig auf ihrem Grundstück hielt. Ihre Bestimmung war es seitdem, Bären-Galle zu liefern: Eine qualvolle Prozedur, bei der dem Tier mit einem Katheter immer wieder Galleflüssigkeit abgezapft wird.

Die in der traditionellen Medizin verwendete Flüssigkeit ist eine begehrte Ware auf dem Schwarzmarkt, obwohl zahlreiche pflanzliche und synthetisch hergestellte Alternativen verfügbar sind.

Zwar hatte sich die vietnamesische Regierung schon im Jahr 2005 dazu verpflichtet, alle Farmen mit Galle-Bären zu schließen. Doch noch immer fristen in Vietnam etwa 1.000 Kragen- und Malaienbären ein derart grausames Leben in engen Käfigen, da es an Rettungszentren für die Tiere mangelt.

Als der bisherige Besitzer– ein ehemaliger hoher Polizeibeamter – nun bereit war, Misha abzugeben, konnte die Welttierschutzgesellschaft gemeinsam mit dem Partner Free The Bears innerhalb von wenigen Tagen die Befreiung des inzwischen 190 Kilogramm schweren Tieres realisieren.

Bereits seit mehreren Jahren arbeiten die beiden Organisationen zum Schutz von Vietnams „Galle-Bären“ zusammen und haben unter anderem im Vorjahr ein Bärenhaus im neuen Schutzzentrum im Cat Tien Nationalpark fertiggestellt, das Ende Juli von den ersten Bären bezogen werden konnte.

Die erfolgreich gerettete Bärin muss bis Februar zunächst auf der Quarantänestation des Bärenschutzzentrums bleiben. Dort besteht die Möglichkeit, sie ausführlich tiermedizinisch zu untersuchen und auf Verhaltensauffälligkeiten zu prüfen, die in Folge der langen Gefangenschaft möglicherweise vorliegen.

Danach soll Misha in das neue Freigehege im Schutzzentrum gebracht und mit den anderen geretteten Kragenbären zusammengeführt werden.

Die aufgrund ihrer Ausbeutung oftmals lebenslang versehrten und traumatisierten Tiere finden auf dem 12 Hektar großen Areal viel Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten, die ihnen positive Reize bieten, um nach Jahren der Gefangenschaft ihr natürliches Verhalten auszuleben.

Um die steigende Zahl an Tieren im Schutzzentrum weiterhin angemessen betreuen zu können, ist der nächste Schritt der beiden Organisationen der Bau einer Tierklinik auf dem Gelände. So können bei Bedarf unmittelbare und auf Bären spezialisierte Behandlungen vor Ort durchgeführt werden.

Weitere Informationen unter: www.welttierschutz.org/projekte/wildtiere/gallebaeren-in-vietnam


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