Hannoversche Forscher entwickeln Modell zum Ersatz von Tierversuchen

(14.07.2015) Wissenschaftler der MHH und des Laser Zentrum Hannover e.V. erhalten knapp 900.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung

Bei der Entstehung von Diabetes, Nierenversagen, Schlaganfall, Herz-Kreislauferkrankungen sowie Blutvergiftung spielen Fehlfunktionen der kleinsten Blutgefäße eine wichtige Rolle.

Doch es ist technisch schwierig, den in ihnen stattfindenden Blutfluss zu untersuchen – denn Mikrogefäße haben nur einen sehr kleinen Durchmesser von weniger als 100 Mikrometer (µm), ähnlich dem eines Haares.


Dr. Yulia Kiyan, Professor Dr. Hermann Haller und Professor Dr. Boris Chichkov

Die meisten Untersuchungen werden derzeit mithilfe von Tiermodellen durchgeführt. Um Tierversuche zu ersetzen, entwickeln Forscher der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sowie der Abteilung Nanotechnologie des Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) nun eine Mikrofluidik-Chip-Plattform als Modell.

Dafür unterstützt sie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit fast 900.000 Euro. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt.

Bei diesem sogenannten Mikrofluidik-Mikrovaskulatur-Modell werden Durchmesser von unter 100 Mikrometern mit Hilfe hochauflösender Laserfabrikationstechnologien erreicht. „Das Modell wird von Dr. Yulia Kiyan etabliert und kann Grundlagenforschungs-Anwendungen und der Entwicklung von Medikamenten dienen.

Zudem können die Auswirkungen von Entzündungen und Diabetes auf mikrovaskuläre Funktionen mikroskopisch und biochemisch beurteilt werden“, sagt Professor Dr. Hermann Haller, Leiter der MHH-Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen.

Die Mikrofluidik beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Flüssigkeiten und Gase auf kleinstem Raum verhalten. Denn dabei spielen andere physikalische Gesetze eine Rolle als in der sogenannten Makrofluidik, die sich größeren Räumen widmet.

„Bei der Entwicklung des Modells lassen wir die neusten Fortschritte in der Laser-Mikro/Nano-Fabrikation einfließen. Die sehr kleinen Durchmesser der Mikrogefäße erreichen wir dabei mit hochauflösenden additiven Laserfabrikationstechnologien, wie der Zwei-Photonen-Polymerization“, erläutert Professor Dr. Boris Chichkov, Leiter der Abteilung Nanotechnologie des LZH.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Universität Leipzig

Alternative zum Tierversuch: Neues Verfahren verbessert Medikamenten-Tests an humanen Stammzellen

In einem neuen Verbundprojekt sind Wissenschaftler der Leipziger Universitätsmedizin auf der Suche nach der perfekten Geometrie
Weiterlesen

Severity assessment in animal based research

DFG fördert neue Forschergruppe zu Tierversuchen

Millionen-Unterstützung: Wie können Belastungen von Versuchstieren erkannt und minimiert werden? MHH und Uniklinik RWTH Aachen sind Sprecherhochschulen
Weiterlesen

Dr. Christina Spohr; Bildquelle: Christina Spohr

Hessischer Tierschutz-Forschungspreis für Christina Spohr

Christina Spohr ist es gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem der gesetzlich vorgeschriebene Tierversuch zur Wirksamkeitsprüfung von Tuberkulinen mit weniger Tieren und geringerer Tierbelastung auskommen könnte
Weiterlesen

FU Berlin

Land Berlin finanziert Professur an der FU Berlin zur Entwicklung von Alternativen für Tierversuche

An der Freien Universität Berlin wird Berlins erste Universitätsprofessur zur Erforschung von Alternativen für Tierversuche eingerichtet
Weiterlesen

Freie Universität Berlin

Tierschutz in der medizinischen Forschung

"Modernste Technologien in der biomedizinischen Forschung" ist das Thema einer Veranstaltung mit zwei Vorträgen am 16. Oktober auf dem Campus der Charité - Universitätsmedizin Berlin
Weiterlesen

Universität Ulm

Optimale Fallzahlen bei Tierversuchen: mehr Erkenntnisse mit weniger Tieren

Weniger Tiere für Versuchszwecke einzusetzen, sollte das Ziel von Wissenschaftlern in der medizinischen Grundlagenforschung sein
Weiterlesen

BfR

Datenbank AnimalTestInfo: Deutsche Initiative für mehr Transparenz bei Tierversuchsvorhaben

Informationen zum Zweck von Tierversuchen und zur erwarteten Belastung der Tiere werden bereitgestellt
Weiterlesen

Dr. François Busquet; Bildquelle: Universität Konstanz

Zentrum für Alternativen zum Tierversuch in Europa wurde mit dem Lush-Preis

Das „Zentrum für Alternativen zum Tierversuch in Europa“ (CAAT-Europe) wurde für sein „CAAT-Europe Policy Program“ mit dem Lush-Preis ausgezeichnet, dem höchstdotierten Preis für Prüfverfahren ohne Tierversuche
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen





[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...