16 Kaiseradler-Jungvögel in Österreich

(27.06.2012) Zwei Kaiseradlerjunge mit GPS Sender ausgestattet - Vorjahres Jungvögel mit Sender bereits 10.000 km zurückgelegt

Elf Kaiseradler-Paare haben derzeit ein wachsames Auge auf insgesamt 16 weißbraun beflaumte Schützlinge.

Vier davon sitzen jeweils in einem burgenländischen Horst und 10 sind in niederösterreichischen Revieren zuhause. Hier bei Hohenau warten auch schon die drei diesjährigen Kaiseradler-Küken für die zweite österreichische Kaiseradlerbesenderung.


Kaiseradler-Jungvögel im Horst

Die im Vorjahr erstmalig von BirdLife-Experten mit Sender ausgestatteten Jungvögel „Alex“ und „Michi“ dokumentieren bereits 10.000 zurückgelegte Flugkilometer (Alex; Michi). Seit 2009 werden die Kaiseradlerbestände in Niederösterreich durch BirdLife beringt und seit 2011 im Rahme eines durch das Land NÖ und die EU geförderten Projekts im Programm Europäische Territoriale Kooperation (ETZ) besendert.

Mit 16 Jungvögeln sprechen wir beim Kaiseradler von einem sensationellen Bruterfolg“, so Gábor Wichmann, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich. Die Schutzbemühungen der Vogelschutzorganisation mit der Vermeidung von Störung in Horstnähe zeigen Wirkung.

„Jetzt muss nur noch der Horst-Baum auch Gewitterstürmen standhalten. Wenn die derzeit noch flugunfähigen jungen Greife aus dem Horst hinauskatapultiert werden, sind sie leichte Beute für Bodenräuber wie den Fuchs", so Wichmann und hofft mit dem Flügge werden der jungen Kaiseradler Mitte Juli den stetigen Aufwärtstrend der österreichischen Kaiseradlerpopulation erneut bestätigen zu können.

In den ersten drei bis vier Lebensjahren, in denen die Kaiseradler überlebenswichtige Erfahrungen sammeln, sind sie insbesondere durch ihre Unerfahrenheit durch Anflug und Stromschlag an Stromleitungen, Windkraftanlagen und illegale Verfolgung stark gefährdet.

Die Überlebensrate liegt bei Jung-Adlern unter 30 Prozent. Die maximale Lebenserwartung eines Kaiseradlers wird von den Experten auf 15 Jahre geschätzt.

Besenderung und Beringung schützt Jungadler

Seit fünf Jahren kommt ein und dasselbe Kaiseradlerpaar in das Revier bei Hohenau zum Brüten. Im Vorjahr zog es zwei Junge auf. Heuer gelang die für ein Kaiseradlerpaar maximale Aufzucht von drei Jungvögeln: „Jan und „Luis“, die beiden kräftigeren Brüder von „Alex“, sind jetzt ebenfalls beringt und mit einem GPS-Empfänger ausgestattet.

Wie ein Rucksack wird der Sender den jungen Kaiseradlern mit größter Vorsicht umgehängt und angepasst.

Die Besenderung erfordert viel Erfahrung auf diesem Gebiet und wird alljährlich in einer Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum von Greifvogelexpertin, Dr. Anita Gamauf durchgeführt.

Eine kleine Solarzelle versorgt den Sender mit Strom und sendet so per SMS punktgenau die Standortdaten an unsere Projektmitarbeiter“, erklärt Wichmann den Vorteil des Senders.

Die Besenderung von Jungvögeln in Niederösterreich hilft einerseits das Verhalten von Jung-Adlern über Jahre hinweg zu beobachten und andererseits die Nutzung des Lebensraums besser zu verstehen. Fälle von Wilderei an besenderten Kaiseradlern können somit rasch und ziemlich genau nachverfolgt werden.

Nationalpark Donau-Auen Kaiseradler „Michi“ fliegt auf Naturschutzgebiete

Die Daten der 2011 mit Sendern ausgestatteten Kaiseradler zeigen interessante Unterschiede: Während das bei Hohenau geschlüpfte Weibchen „Alex“ zunächst weite Erkundungsflüge in Zentral- und Osteuropa unternommen hatte, ist sie jetzt etwas ruhiger und sesshafter geworden.

Dabei hat es ihr der ungarische Teil des Nationalparks Neusiedlersee-Seewinkel (Fertö-Hanság) besonders angetan - dorthin kehrt sie bisher immer wieder zurück.

„Michi“, der im Auwald des Nationalpark Donau-Auen geschlüpfter Kaiseradler hingegen verhielt sich anfangs eher vorsichtig, bis er mutig entlang der Donau von einem Naturschutzgebiet zum andern bis nach Serbien flog.

„Die Daten zeigen uns deutlich, dass sich unsere Kaiseradler dort wohlfühlen, wo sie eine abwechslungsreiche Agrarlandschaft mit vielen Brachen und hohen alten Bäumen vorfinden“, ergänzt Wichmann.

Mehr zum Projekt Coro-Skat (Conservation of Raptors and Owls-Slovakia-Austria): www.birdlife.at/coro-skat



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