Erntezeit: Gefahr für bodenbrütende Wiesenweihe und ihre Jungvögel

(01.08.2013) Goldgelbe Getreidefelder und trockenes Erntewetter lässt die Mähdrescher derzeit nicht stillstehen - eine kritische Zeit für die Brut der streng geschützten Wiesenweihe. Bestens getarnt mit bräunlichem bis grauen Gefieder übersehen die Landwirte beim Mähen nicht nur die Gelege.

Auch die bereits geschlüpften aber noch flugunfähigen Jungvögel haben bei der Ernte keine Chance zu entkommen. Die ungewollte Todesfalle kann aber verhindert werden.

Gezielte Schutzmaßnahmen ermöglicht das durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung und vom Land Niederösterreich finanzierte Projekt der Vogelschutzorganisation BirdLife: Sobald festgestellt wird, dass Wiesenweihen in einem Getreide- oder Luzernefeld oder in einer Wiese brüten, wird in Absprache mit dem Bewirtschafter der gesamte Nestbereich geschützt.


Wiesenweihe Jungvogel

Die Wiesenweihe ist österreichweit nur noch in Teilen Niederösterreichs (nördliches Waldviertel, Wein- und Industrieviertel) und im Burgenland zu finden. Die Art brütet in erhalten gebliebenen Feuchtgebieten, heutzutage aber hauptsächlich in bisher noch weniger intensivierten Getreidebaugebieten.

Der anmutige Greifvogel kommt Ende April aus Afrika zurück und beginnt frühestens Anfang Mai mit seiner Brut, meistens im Getreidefeld. Jetzt mit 4 bis 6 Wochen beginnen die Jungvögel auszufliegen.

„Je später die Getreidefelder oder Wiesen geerntet und gemäht werden, desto mehr Chancen für den Wiesenweihen-Nachwuchs“, erklärt der Ornithologe Dr. Leopold Sachslehner von der Forschungsgemeinschaft Wilhelminenberg. In Kooperation mit BirdLife Österreich betreut Sachslehner schon seit über zehn Jahren niederösterreichweit die gezählten 19-20 Wiesenweihen Brutpaare.

Die genauen Zahlen des diesjährigen Bruterfolgs werden erst Ende August feststehen. „Wir wissen aber  bereits, dass die Hälfte der Bruten der langen Regen- und Gewitterperiode im Juni zum Opfer gefallen ist. Im Waldviertel sind allerdings auch schon vier Bruten mit je zwei Jungvögel erfolgreich ausgeflogen“, so der Wiesenweihe-Experte.

Walviertel mit wenig Maisanbau besonders attraktiv für Wiesenweihe

Das nördliche Waldviertel ist mit seiner hohen Vielfalt an Getreide-Flächen (v.a. Roggen und Weizen) und relativ wenig Maisanbau ideal für die Wiesenweihe. Nicht umsonst findet sich hier zwei Drittel (heuer 13-14 Brutpaare) des gesamt österreichischen Brutvorkommens der Wiesenweihe. Der  elegante Greifvogel (Männchen 300 g, Weibchen bis 400 g; Flügelspannweite 105-120 cm) war früher in feuchten Niederungen, Streuwiesen und Mooren zuhause.

Sachlehner: “Genau diese Lebensräume werden auch bei uns durch intensive landwirtschaftliche Nutzung immer seltener. Der anpassungsfähige Vogel ist daher heute weitgehend in der offenen Ackerbaulandschaft zuhause. Feld- und Wegraine, Brachen, aber besonders auch Wiesen, erhöhen die Lebensraumqualität und bieten Jagdmöglichkeiten auf das Hauptbeutetier, nämlich die Feldmaus, die im bodennahen Suchflug erspäht wird“.

Die Jagdgebiete der Männchen, die die Weibchen und die Brut größtenteils mit Nahrung versorgen, können eine Ausdehnung von 40 km² und mehr erreichen.
Kurz nach der vollen Flugfähigkeit der Jungvögel, im August, spätestens aber Anfang September, ziehen die Wiesenweihen aus Mitteleuropa wieder ins Winterquartier nach Westafrika, wo sich ihre Nahrung weitgehend auf Wanderheuschrecken beschränkt.

Abkommen mit Landwirten rettet die letzten Wiesenweihen-Bestände

„Da die meisten Bruten erst Ende Juli bis Mitte August ausfliegen, geht ohne gezielten Nestschutz der Großteil der Bruten bei der Ernte verloren“, so die Erfahrungswerte des Experten Sachslehner.

„Sobald wir nach aufwändiger Beobachtung feststellen, dass Wiesenweihen in einem Feld oder in einer Wiese brüten, beginnt für uns oft ein Wettlauf gegen die Zeit“. In Absprache mit dem Bewirtschafter werden dann Nestschutz-Maßnahmen gesetzt. Am effektivsten ist es, den Nestbereich (0,5 Hektar)  für die gesamte Saison – bis nach dem Ausfliegen der Jungen – nicht zu ernten und nicht mehr zu betreten oder zu befahren.

Für den erhöhten Arbeitsaufwand und den Ernteverlust durch eine zeitlich verzögerte Ernte wird den Bewirtschaftern eine Prämie bezahlt, die vom Verein „Forschungsgemeinschaft Wilhelminenberg vorfinanziert und von der NÖ Naturschutzabteilung bzw. dem NÖ Landschaftsfonds refundiert wird.

„Die Bewirtschafter unterstützen unser Projekt auch aufgrund der positiven Erfahrungswerte der vergangen Jahre. Sobald ein Horst unter Vertrag ist, kontrollieren wir das Wachstum der Jungen noch präziser damit die verzögerte Ernte nach dem Ausfliegen der Jungvögel so rasch wie möglich erfolgen kann“, erläutert Leopold Sachslehner, wie hier im Fall der Wiesenweihe, Artenschutzprogramme greifen.




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