DFG fördert neue Forschergruppe zu Tierversuchen

(21.03.2017) Millionen-Unterstützung: Wie können Belastungen von Versuchstieren erkannt und minimiert werden? MHH und Uniklinik RWTH Aachen sind Sprecherhochschulen

Gute Nachricht für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH): Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt den neuen Forschungsverbund „Belastungseinschätzung in der tierexperimentellen Forschung“ („Severity assessment in animal based research“) mit rund sechs Millionen Euro für die nächsten drei Jahre.

Dem Verbund gehören acht wissenschaftliche Einrichtungen in Deutschland und in der Schweiz an. Sie wollen in 15 Projekten Belastungen von Tieren in Tierversuchen erkennen und Belastungsgrade wissenschaftlich fundiert und möglichst fein und genau abstufen – mit dem Ziel, Belastungen optimal zu minimieren.

„Derzeit fehlen wissenschaftlich begründete Parameter und Methoden, mit denen Belastungen wie Stress und Schmerz gemessen werden können, denen Tiere in einem Versuch ausgesetzt sind.

Das beeinflusst ethische Fragen und die Qualität von Tierversuchsdaten. Das wollen wir ändern“, sagt Professor André Bleich, PhD.

Der Leiter des Instituts für Versuchstierkunde und des Zentralen Tierlaboratoriums der MHH ist Sprecher der neuen Forschergruppe (FOR) 2591 – gemeinsam mit Professor Dr. René Tolba, Leiter des Instituts für Versuchstierkunde sowie des Zentrallaboratoriums für Versuchstiere der Uniklinik RWTH Aachen.

Aus der MHH sind an der Forschergruppe auch die Klinik für Neurochirurgie und das Institut für Molekulare und Translationale Therapiestrategien beteiligt. Die MHH erhält rund zwei Millionen Euro von der Gesamtsumme.

„Wir verbessern verschiedene objektive Methoden und Techniken, erarbeiten neue und kombinieren diese, um eine Skala zur Standardisierung erstellen zu können“, erläutert Professor Bleich.

Die Ergebnisse, die mit den neuen Methoden erzielt werden, sollen mit den Belastungs-Schweregraden korrelierbar sein, die in der Richtlinie des Europäischen Parlaments zum Schutz für Versuchstiere definiert sind.

Die Forschergruppe will die Belastungseinschätzungen außer Wissenschaftlern auch Behörden und Gutachtern zur Verfügung stellen. Um festzustellen, wie es Tieren während eines Versuchs geht, gibt es beispielsweise die Möglichkeit, mit Infrarot-Kameras Aktivität und Körpertemperatur der Tiere zu überwachen.

Außerdem können Herzschlagrate und deren Intervalle per Telemetrie festgestellt werden. Auch die moderne Bildgebung hilft – etwa, um Veränderungen im Gehirn festzustellen.

Viele Ideen für die Beurteilung von Belastungen stammen aus der Verhaltens-, Schmerz-, Stress- und Depressionsforschung. Die Forscher wollen auch Strategien untersuchen, die Tiere für den Umgang mit Stress haben.

Die Wissenschaftler wenden mit ihrem Vorhaben das „3R-Prinzip“ zur Durchführung von Tierversuchen an. Es steht für „Replace“ (Vermeiden von Tierversuchen durch das Finden alternativer Methoden), „Reduce“ (Verringern der Zahl benötigter Tiere) und „Refine“ (Verminderung der Belastung).

„Dieses Prinzip ist für uns von wesentlicher Bedeutung – nicht nur bezüglich seiner ethischen Rechtfertigung, sondern auch, um belastbare Daten durch Standardisierung zu generieren. Denn ein zentraler Aspekt dieses Prinzips ist die Einschätzung von Schmerzen, Leiden und Schäden von Versuchstieren während eines Experiments“, sagt Professor Bleich.


Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Ein Nacktmull im Labor; Bildquelle: Laura-Nadine Schuhmacher, Universität Cambridge

Weshalb Nacktmulle keinen Entzündungsschmerz empfinden

Bei Verletzungen und Entzündungen entwickeln Nacktmulle nicht die normale Überempfindlichkeit gegenüber Temperatur-Reizen
Weiterlesen

Bei dieser Regenbogenforelle hat der Haken eines Angelköders im Oberkiefer gefasst. Ob das Tier Schmerzen empfindet, ist nicht zweifelsfrei belegt; Bildquelle: Alexander Schwab

Empfinden Fische Schmerzen?

Fische besitzen kein dem Menschen vergleichbares Schmerzempfinden. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam aus Neurobiologen, Verhaltensökologen und Fischereiwissenschaftlern
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen





[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...