Seminarbericht: Tier-Ernährung für Haut und Haare

(16.07.2008) Einblick in 11. Fachtagung Petfood & Nutrition Update Juni 2008 an der ZDS Solingen

ZDS Solingen 33 Teilnehmer aus den Ländern Deutschland, Belgien, Russland, den Niederlanden, Frankreich und den USA sowie 19 Referenten aus der Petfood-Branche, trafen sich am 25.6. und 26.6.2008 an der ZDS in Solingen, um in zwei Tagen komprimiert über die neusten Informationen der Branche zu sprechen, zu diskutieren und sie zu analysieren.

Auch im Petfood Bereich wird der Aspekt der Nachhaltigkeit immer wichtiger. Produktabläufe kommen an der Globalisierung nicht vorbei. Negative Auswirkungen durch agrarwirtschaftlichen Massenprodukte wie Emissionen, Nutrifikation von Oberflächen- und Grundwasser und ethische Aspekte, werden mehr und mehr deutlich.

So muss auch bei der Tiernahrung von vorne herein Wert auf zukunftsfähige Produkte gelegt werden, die einen Nutzen erkennen lassen und den Anforderungen der Tierhalter entsprechen. Sicherheit und Gesundheit steht bei Haustieren, als bestem Freund des Menschen, absolut im Vordergrund.

Um Nutzen und Eigenschaften in Geschmack, Textur etc. zu verstehen und einstufen zu können, wurde anschließend über die grundsätzliche Zusammensetzung der verschiedenen Produkte gesprochen.

Die Zutaten sind der Schlüssel jedes Futtermittels, egal ob es sich um trockenes, halbfeuchtes, feuchtes, konserviertes Futter oder die so genannten „Fun“ Snacks handelt.

Weizen, Stärken, Korn, Guarkernmehl, Emulgatoren und Fette, sie erhalten Qualität, Textur und Farbe der Endprodukte, bieten aber auch einen technische Nutzen und unterstützen die ernährungsbedingten Nutzen des Endprodukts. Diese Zutaten wurden anhand konkreter Rezepte von Petfood-Produkten besprochen und vorgestellt.

Weg vom Produkt, hin zu den Wünschen des Tieres und dessen Verhaltensweisen. Hier ist wichtig, die Unterschiede der Tiere zu kennen und mit einem entsprechenden Produkt auf sie einzugehen.

Hier helfen Akzeptanztests in Expertenpanels weiter, die präzise vorbereitet werden müssen. Die durchzuführenden Tests müssen auf Produktphase, Zielgruppe, Zielprodukt etc. exakt abgestimmt werden.

Natürlich sind auch die zu testenden Tiere von großer Bedeutung, die Trainings durchlaufen müssen bevor es zum eigentlichen Test kommt. Grundsätzlich müssen große Unterschiede im Ess- aber auch im Geschmacksverhalten von Hunden und Katzen erkannt werden. Um den Bereich Marketing zu vertiefen, sprach man anlässlich des Seminars über den Aufbau und das Management von Haushaltspanels.

Um auch den gesetzlichen Vorraussetzungen gerecht zu werden, wurden die Teilnehmer im Bereich Futtermittelrecht auf den neusten Stand gebracht. Zusatzstoffe, Bezeichnungen des Futters und exakte Kennzeichnungsvorschriften waren unter anderem Themen des Vortrags.

Um das gekennzeichnete Produkt gewährleisten zu können, muss das Produkt immer wieder getestet werden. Ob im Labor oder während der Produktion, eine Vereinfachung stellt in jedem Fall die NIR-Spektroskopie dar, die sich als schnelle und zuverlässige Methode für die Petfood-Industrie auszeichnet. Anlässlich des Seminars wurden die verschiedenen Spektroskopiemöglichkeiten aufgezeigt sowie der genaue Ablauf des „Routinebetriebs“ Schritt für Schritt begesprochen.

Zusammen mit den USA und UK bildet Deutschland die Top drei Länder der Petfood-Varianten und somit ist die Auswahl im Petfood-Regal durchaus groß. Funktionelle Hintergründe, wie Schönheitsaspekte des Fells, können durch Mineralien und Vitamine erreicht werden und können den Tierhalter heutzutage durchaus überzeugen.

Folglich wurde auf die Nutzen, die Anwendung und die potenziale phytogener Stoffe im Futter von Haustieren referiert. Phytobiotika sind natürlich vorkommende Stoffe, die aus Pflanzen gewonnen werden. Sie regen u.a. den Appetit an, sind aromatisch, wirken antimikrobiell und als Insektizid.

Die Substanzen wirken sich postiv auf die Darmflora aus, sind gesunderhaltend und leistungssteigernd. Der Einfluss auf den Verdauungstrakt ist ähnlich dem von Antibiotikum. Zusätzlich wurde anschließend auf die Nahrung im Zusammenhang der Gemütsverfassung eingegangen, die im vorigen Referat schon angesprochen wurde.

Anhand des Beispiels Osteoarthritis bei Hunden, wurde das Thema der Zugabe von biofunktionellen Stoffen fokussiert.

Am zweiten Tag ging man nun immer konkreter auf die einzelnen Tiere ein. Der Tag stand ganz im Zeichen von „Farbenpracht und glänzendes Fell: Tierernährung für die Haut“.

Um einen Einstieg in dieses Thema zu finden wurden die Teilnehmer zunächst über den Aufbau der Haut aus vergleichend-evolutionsbiologischer Sicht informiert. Hier wurde der Fokus auf Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere gelegt. Das Verständnis der Haut und ihrem Aufbau, ist wichtig, um auf die Grundbedürfnisse der verschiedenen Arten einzugehen und Haut, Federn, Fell, Schuppen etc. in Ihren Aufgaben zu unterstützen.

Anschließend wurde speziell auf quantitative und qualitative Aspekte von Haut und Haaren von Hund und Katze eingegangen. Die Haut bildet das größte und schwerste Organ und dient dem Körper als Hüllorgan.

Die Aufgaben der Haut sind zahlreich. Sie soll u.a. die Wahrung des inneren Gleichgewichts sowie die thermische Isolierung gewährleisten und Schutz vor Austrocknung und Umwelteinflüssen bieten.

Außerdem unterstützt die Haut die Kommunikation zwischen Mensch und Tier, durch die Aufnahme von Berührungsreizen. Doch ist die Haut vor allem bei den Besitzern das Schönheitsmerkmal Nummer 1.

Die Haut wird ständig erneuert und so ist es wichtig ihr die benötigten Nährstoffe in angemessener Menge zuzufügen. Natürlich ist die Zufuhr von Rasse zu Rasse unterschiedlich und muss den Ansprüchen angepasst werden.

Nun wurde das Interesse auf das Thema „Zum Federkleid der Ziervögel“ gelenkt. Bei Vögeln sind die wichtigen Anforderungen und die Aufgaben an die Haut und die Federn andere. Natürlich sind sie auch für den mechanischen Schutz und die Thermoregulierung verantwortlich.

Darüber hinaus sind sie für das Flugvermögen und die Bildung der Farbmuster für die Tarnung, die Kommunikation mit Artgenossen etc. verantwortlich. Selbstverständlich gibt es auch hier Unterschiede bei den Ziervogelspezies, da das Federkleid andere Zusammensetzungen aufweist.

Um das Thema zu vervollständigen, folgten nun die Eigenschaften von Schuppen und Panzern. Zu den schon erwähnten Aufgaben, sind bei dieser Art noch die Aufgabe des sekundären Geschlechtsmerkmals und die des Sinnesorgans von großer Bedeutung. Natürlich muss auch die Häutung der Tiere beachtet werden.

Um dem Punkt des bereits erwähnten Schönheitsmerkmals gerecht zu werden, wurde anschließend auf Nährstoffe für glänzendes Fell gesprochen. Wie im Laufe des Seminars zu erkennen hat die Ernährung einen großen Einfluss auf die Haut. Eine falsche Ernährung kann zu schwerwiegenden Mängeln führen, z.B. kann stumpfes und brüchiges Fell ein Zeichen für Protein Mangel sein sowie Haarverlust für einen Mangel an Zink stehen.

Bei Fischen und Reptilien muss besonders auf die Umwelteinflüsse geachtet werden. Fische können schon im Wasser die angemessene Menge an Nährstoffen aufnehmen und sind nicht auf die Zufuhr im Futter angewiesen.

Um das Seminar mit praktischen Aspekten abzurunden, wurden Erfahrungen aus der tierärztlichen Praxis vorgestellt.

Die Haut kann verschiedenen Erkrankungen aufweisen, von Allergien bis hin zu Erbkrankheiten und Tumoren. Hier wurden Erfahrungsberichte von der Diagnose und den entsprechenden Diagnosemöglichkeiten, bis hin zu Behandlung der festgestellten Erkrankung, vorgestellt.

Eine große Rolle bei der erfolgreichen Behandlung des Tieres spielt die Zusammenarbeit zwischen Tierhalter und Tierarzt. Doch gerade die Tierhalter können schon im Vorfeld große Fehler machen.

Hierbei ist besonders auf die häufigste auftretende ernährungsbedingte Krankheit bei Hund und Katze, die Adipositas einzugehen. Rund ¼ der Hunde ist heutzutage übergewichtig.

Der Energiehaushalt wird durch übermäßige Fütterung von schmackhaften und energiereichen Futtermitteln, die neben dem üblichen Futter gefüttert werden, gestört. Hier sind vor allem Snacks und „Leckerlis“ sowie die Fütterung von Speiseresten zu erwähnen. Fehlende Bewegung und zunehmendes Alter des Tieres bedeutet einen geringeren Energiebedarf. Hier muss genau kontrolliert und an die Bewegungsaktivität angepasst werden.

Und so ging nach zwei Tagen der Information, des Austauschs und der Diskussion die 11. Fachtagung der Petfood-Branche vorbei und wir hoffen, allen Teilnehmern und Referenten nächstes Jahr wieder ein hohes Maß an Informationen bieten zu können.

www.zds-solingen.de

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