Disseminierter Mastzelltumor mit Mastozytämie bei einem Europäisch Kurzhaarkater

(29.03.2019) Im Fall des Monats März stellt Laboklin das Auftreten ungewöhnlicher Zellen in dem Blutausstrich einer Katze vor

Maciej Guzera DVM PhD DipECVCP MRCVS

SIGNALMENT UND ANAMNESE

Ein 10jährger, kastrierter Europäisch Kurzhaarkater wurde aufgrund von chronischem Erbrechen und Gewichtsverlust (um 2,2 kg) trotz Polyphagie vorgestellt.

Es war vorberichtlich keine Futterumstellung oder erhöhte Belastung erfolgt und zeitgleich mit den Symptomen waren mehrere Umfangsvermehrungen in der Haut aufgetreten.  

KLINISCHE UNTERSUCHUNG

Bei der klinischen Untersuchung zeigte sich der Katzer lethargisch mit einem BCS 2/9 und das Abdomen erschien aufgetrieben. Es fanden sich mehrere, unterschiedlich große Umfangsvermehrungen in der Haut (wenige mm bis zu 0,5 cm) hinter dem rechten Ohr sowie an beiden Flanken. Einige dieser Knoten waren gerötet (Abb. 1).


Abb 1. Mehrere pinke, hirsekorngroße Hautknoten an der Flanke

WEITERFÜHRENDE UNTERSUCHUNGEN

Hämatologie

Der Blutstatus ergab eine hochgradige Basophilie (2,4 x109/L, Referenzbereich, RB: 0-0.04 x109/L) und geringgradige Lymphopenie (0,82 x109/L, RB: 1-4 x109/L).

Darüber hinaus fanden sich im Blutausstrich große aypische Zellen (15% der kernhaltigen Zellen, 1,1 x109/L; Abb. 2).


Abb 2. Blutausstrich eines Katers mit multiplen Hautknoten (A, B) (Wright-Giemsa, 500-fache Vergrößerung).

Klinische Chemie

In der klinischen Chemie fand sich eine geringgradige Hypokaliämie (3,2 mmol/L, RB: 3.0-4,8 mmol/L) und niedrig normales Totalprotein mit geringgradiger Hypoalbuminämie (23 g/L, RB: 26-56 g/L).

Bildgebung

Eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens ergab eine hochgradige Splenomegalie. Der Dünndarm zeigte eine erhöhte Wanddicke und abnormale Wandschichtung (Abb. 3A). Die mesenterialen Lymphknoten waren prominent (Abb. 3B).

Die röntgenologische Untersuchung des Thorax war unauffällig.


Abb. 3. Im Ultraschall zeigte sich ein vollständiger Verlust der Wandschichtung des Jejunums (A) sowie prominente, hypoechoische Mesenteriallymphknoten (B).

Zytologie

Von den Hautknoten sowie der Milz wurden Feinnadelaspirate (FNA) angefertigt und zytologisch untersucht (Abb. 4).


Abb. 4. Zytologisches Bild der FNA eines Hautknotens (A) sowie der Milz (B) (Wright-Giemsa, 500-fache Vergrößerung).

INTERPRETATION DER ERGEBNISSE

Im Blutausstrich fanden sich einige große Zellen mit violetten Granula (Mastzellen) was auf eine Mastozytämie aufgrund eines Mastzelltumors hindeutete.

Die hochgradige Basophilie ist vermutlich paraneoplastisch und die geringgradige Lymphopenie vermutlich Stress-assoziiert.

Das chronische Erbrechen sowie ein verminderte Kaliumaufnahme sind vermutlich die Ursache der geringgradigen Hypokaliämie. Die Hypoalbuminämie kann ebenfalls auf einen verminderte Proteinaufnahme, den kachektischen Zustand oder gastrointestinale Verluste zurückgeführt werden.

Auch eine unzureichende Leberfunktion oder ein Verlust über die Nieren kann aufgrund einer normalen Globulinkonzentration nicht ausgeschlossen werden.

Die zytologische Untersuchung der Hautknoten und der Milz ergab das Vorliegen zahlreicher Mastzellen mit Atypien, was mit dem Vorliegen eines Mastzelltumors vereinbar war.

DIAGNOSE: Disseminierter Mastzelltumor mit Mastozytämie

THERAPIE UND VERLAUFSKONTROLLE

Aufgrund der schlechten Prognose, dem schlechten Zustand des Patienten sowie den möglichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie entschied sich der Besitzer für die Euthanasie.

In der post-mortem Untersuchung fanden sich Mastzellen, sowohl in abgegrenzten Ansammlungen als auch in dichten Infiltraten, in Haut (Abb. 5A), Leber, Jejunum und Milz (Abb. 5B) sowie vermutlich in den Mesenteriallympknoten und dem Herz.


Abb. 5. Histologie aus der post-mortem Untersuchung A. Kutaner Mastzelltumor einer Katze mit unverkapselten und infiltrativ wachsenden Umfangsvermehrungen innerhalb der Dermis (H&E, 40-fache Vergrößerung). B. Mastzelltumor in der Milz mit neoplastischen Zellen die metachromatische Granula im Zytoplasma aufwiesen (Toluidineblau Färbung, 1000-fache Vergrößerung).

ZUSAMMENFASSUNGEN

Mastzelltumore sind eine seltene neoplastische Erkrankung von Katzen die in drei verschiedenen Ausprägungen vorkommen kann: kutane Form, viscerale Form und intestinale Form. Im vorliegenden Fall ist, aufgrund der systemischen Ausbreitung der Erkrankung, die ursprüngliche Form/Lokalisation nicht mehr feststellbar. Die Prognose von disseminierten Mastzelltumoren ist im Allgemeinen schlecht.

Eine Mastozytämie ist definiert als das Vorliegen von Mastzellen im peripheren Blut. Dies ist ein seltener Befund bei Katzen (Prävalenz 0.05%) und findet sich, im Gegensatz zum Hund, fast ausschließlich im Zusammenhang mit felinen Mastzelltumoren.

Da die Sensitivität für Mastzellen im peripheren Blut gering ist, wird bei Patienten mit Verdacht auf Mastozytämie zu einer Untersuchung im Buffy Coat geraten.




Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Abb. 5. Histopathologie eines kleinzelligen Lymphoms eines Hundes (Haematoxylin & Eosin, 400-fache Vergrößerung).; Bildquelle: Laboklin

Generalisierte Lymphadenopathie bei einem Hund: Auflösung

Das kleinzellige Lymphom ist eine niedrig-maligne Erkrankung mit indolentem klinischem Verlauf. Eine vollständige Diagnosesicherung benötigt neben der zytologischen Untersuchung häufig weitere Untersuchungen wie Histopathologie
Weiterlesen

Blutausstrich des Hundes (Wright-Giemsa stain, 500-fache Vergrößerung).

Generalisierte Lymphadenopathie bei einem Hund

Im Fall des Monats Mai stellt Laboklin eine Französische Bulldogge mit einer mittelgradigen Lymphadenomegalie vor
Weiterlesen

Urine samples

Rätselhafter Fall des Monats April 2019: Auflösung

Dysphagie, Hypersalivation, Schwäche und Gewichtsverlust bei einem spanischen Rassepferd (P.R.E.)
Weiterlesen

Deutliche Muskelatrophie der Sitzbein- und Glutealmuskulatur

Rätselhafter Fall des Monats: Dieses Mal stellt Laboklin Ihnen einen Fall bei einem spanischen Rassepferd vor

Nun haben Sie die Osterfeiertage über Zeit zu grübeln was die Symptome denn bedeuten könnten.
Weiterlesen

Ein rätselhafter Fall fürs Wochenende!; Bildquelle: LABOKLIN

Ein rätselhafter Fall fürs Wochenende!

Im Fall des Monats März stellt Laboklin das Auftreten ungewöhnlicher Zellen in dem Blutausstrich einer Katze vor
Weiterlesen

Abbildung 3. Histologisches Bild  der Hautläsion. A H&E Färbung.  B Immunhistologisches Bild (CD3) der Hautläsion

Auflösung: Kutane Läsion bei einem Streifenhörnchen (Eutamias sibiricus)

Heute haben wir für Sie die Auflösung zu dem Fall „Kutane Läsion bei einem Streifenhörnchen (Eutamias sibiricus)“. Hätten Sie die richtige Diagnose gestellt?
Weiterlesen

Abbildung 1. Hautläsion (A, B) sowie vergrößerte Axillar- (C) und Inguinallymphknoten (D).; Bildquelle: Laboklin

Rätselhafter Fall des Monats: Kutane Läsion bei einem Streifenhörnchen (Eutamias sibiricus)

Zum Miträtseln möchte Laboklin Ihnen monatlich einen spannenden Praxis-Fall aus den verschiedensten Fachbereichen der Tiermedizin vorstellen. Hier finden Sie den Fall des Monats Februar 2019
Weiterlesen

Histologisches Bild der Leber eines Pferdes mit Jakobskreuzkraut-Vergiftung. Die portalen Bereiche zeigen eine geringgradige lymphozytäre und neutrophile Infiltration und geringgradige Ablagerung von Bindegewebe (H&E, 100-fache Vergröß; Bildquelle: Laboklin

Angloaraber-Wallach mit multiplen Hautläsionen

Auflösung zu dem Pferdefall "Angloaraber-Wallach mit multiplen Hautläsionen“ aus der letzten Woche. Wäre das auch Ihre Diagnose gewesen?
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

24.05.