Tuberkulose als Zoonose: Brisante  Forschungsergebnisse in Indien

(28.12.2017) ELSEVIER’s rennomiertes „Journal of Clinical Tuberculosis and Other Mycobacterial Diseases“ hat eine vom Aussätzigen-Hilfswerk Österreich ermöglichte  Forschungsarbeit über TB als Zoonose in ländlichen Räumen Indiens publiziert. Die Ergebnisse sind teils brisant.

Büffel und Bauern leben im ländlichen Indien eng miteinander. Die Tiere tragen wesentlich zum Einkommen der Familie bei. Für landlose Bauern sind Rinder oft die einzige Lebensgrundlage.

Die Tiere wohnen mit den Landleuten unter einem Dach. Mensch und Tier teilen sich denselben Koch-, Schlaf- und Essensplatz. Diese enorme Nähe der Menschen zu den Rindern setzt die Landwirte und deren Familienmitglieder einem erhöhten Tuberkulose (TB) Risiko aus.


Rind in Indien

Das Risiko steigt, wenn andere ungünstige Faktoren ins Spiel kommen (z.B. für unterernährte Kinder, Diabetiker, Menschen mit HIV/AIDS, Menschen mit Alkoholabhängigkeit oder Raucher). Bereits viele Studien haben die Risikofaktoren untersucht, die mit TB in Verbindung stehen.

Dabei ging es etwa um Slumbewohner, schlechte Lebensbedingungen, Alkohol und Tabak. Andere Studien haben einen signifikanten Anteil von Diabetespatienten und koexistierender TB gefunden.

Die nun vorliegende Arbeit untersucht nun die Ausbreitung von Tuberkulose von Tieren auf Menschen und seine Bedeutung für die öffentliche Gesundheit. Um dies zu erreichen, wurden ausgewählte Rinder / Büffel auf TB getestet und die Assoziation von TB mit Menschen und Tieren untersucht.


Die Studie belegt, dass die Natur der TB als einer Zoonose – also einer Krankheit, unter der Tier wie Mensch leiden - besser berücksichtigt werden muss: Eine ganzheitlichere Sichtweise ist notwendig, um TB als Herausforderung für die öffentliche Gesundheit zu überwinden.

Tuberkulose braucht eine erneuerte Strategie und sollte als public health Problem angegangen werden. Die derzeitige Praxis der Reduktion auf Fallfindung und Therapie ist nicht ausreichend.

Es ist dringend notwendig, eine strengere Überwachungsstrategie einzuführen, um TB zu kontrollieren, zu eliminieren und vielleicht vollständig zu überwinden.

Die Querschnittstudie wurde mit begrenzten Ressourcen durchgeführt. Das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich macht sich die Studie nicht in allen Teilen zu eigen. Die Studie – das ist ihr großer Wert – belegt jedoch die Notwendigkeit weiterer Forschung in diesem vernachlässigten Bereich.

TB-Test bei Rindern in Indien müssen angepasst durchgeführt werden. Aus Kostengründen kommen in vielen Entwicklungsländern selbst Menschen erst im Laufe eines längeren Diagnoseverfahren zu einem GeneXpert TB Test. Darum ist das Wissen um die korrektie Testdurchführung so wichtig.

Die Isolierung oder notfalls Keulung von tuberkulinpositiven Rindern ist die aus Sicht der allgemeinen Hygiene sicherste Lösung. Allerdings können auch andere Maßnahmen, wie die Vor-Ort-Inspektion von Metzgereien durch ausgebildete Tierärzte oder die sozial abgefederte Konditionalisierung von Tuberkulintests für Förderkredite zur Bekämpfung der Rinder-TB beitragen.

Die mit der Epidemeologie befasste Studie geht nicht auf die unterschiedlichen Möglichkeiten ein. Das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich, das keinen Einfluss auf Studiendurchführung genommen hat, präferiert die Einrichtung von Goshalas, schützenden Unterständen für erkranke Kühe.

Publikation

A study on zoonotic tuberculosis in selected rural areas of Bagalkot and Belgaum districts of Karnataka state
Journal of Clinical Tuberculosis and Other Mycobacterial Diseases
Volume 9, December 2017, Pages 30-35



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