Fischaufstiegsanlagen auf dem Prüfstand

(04.07.2019) Die BfG entwickelt einen neuen Methodenstandard zur Bewertung der biologischen Funktion von Fischwanderhilfen.

Unlängst fiel der Startschuss für ein neues BfG-Projekt zum Fischaufstieg. Im Rahmen des Vorhabens wird eine Methode entwickelt, mit der man verlässlich prüfen kann, wie gut eine Fischaufstiegsanlage funktioniert.

Bundesanstalt für Gewässerkunde Klar dabei ist: eine belastbare Bewertung ist erst durch eine Kombination verschiedener Verfahren möglich. Welche Techniken sich eignen und wie sie zu einer Bewertungsmethode kombiniert werden können, darum geht es den Fischökologen der BfG.

Im vergangenen Jahr wurde in Malliß die zweite Fischaufstiegsanlage der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung an der Müritz-Elde-Wasserstraße in Betrieb genommen. Seit März 2019 untersuchen dort Forscher aus sechs europäischen Ländern im Auftrag der Bundesanstalt für Gewässerkunde die Wanderung von Fischen.

In enger Kooperation mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lauenburg setzen sie verschiedene Verfahren ein, um Fische in der Aufstiegsanlage und im Unterwasser zu erfassen und zu zählen.

Neben bewährter Fischereitechnik mit Reusen und Elektrobefischungen, kommen dabei auch technisch aufwändigere Verfahren zum Einsatz.

Fische werden beispielsweise mit Sendern versehen, so dass deren Wanderroute nachvollzogen werden kann. Echolote erfassen mit Schall zusätzlich die Bewegung von Fischen im Fluss.

Mithilfe von Wasserproben kann aufgrund der darin enthaltenen Umwelt-DNA wiederum festgestellt werden, wo welche Fischarten vorkommen. Ein Videozähler zeichnet darüber hinaus die Fische auf, die durch den Fischweg schwimmen.

Die richtige Methode am richtigen Ort macht‘s

Jedes dieser Verfahren gibt wichtige Einblicke in die Fischfauna und ihre Bewegungen. Aber für sich alleine genommen, kann keines alle Fragen beantworten, die für die Funktionalität einer Fischaufstiegsanlage entscheidend sind. Unsere Forscher müssen etwa wissen: Finden alle Fische den Einstieg in eine Anlage?

Können sie die Anlage passieren? Wie viele Fische möchten wandern? Wie viele der wanderwilligen Tiere steigen auch tatsächlich über die Fischwanderhilfe auf? Ist der Fischweg für alle Arten gleichermaßen geeignet?

Ausschlaggebend ist, dass die Fische nicht nur in der Anlage, sondern auch unterhalb und oberhalb davon erfasst werden. Sowohl zu den Wanderaktivitäten als auch zu Fischarten, Fischlängen und Fischmengen müssen Informationen vorliegen.

Mit den so gewonnenen Daten lässt sich schließlich prüfen, ob die Anlage für die gesamte Fischfauna funktioniert oder ob sie selektiv wirkt. Entsprechend müssen verschiedene Verfahren miteinander kombiniert werden.

Wenn Arten etwa nur im Unterwasser, nicht aber in der Anlage detektiert werden, kann dies auf ein Defizit der Anlage hinweisen. Spiegeln sich hingegen Wanderaktivitäten und zeitliche Bewegungsmuster der Fische aus dem Unterwasser in den Messungen der Fischaufstiegsanlage wider, so spricht dies für eine hohe Effektivität.

Welche der beschriebenen Verfahren in welcher Kombination geeignet sind, das wollen die Forscher in dem Projekt "Entwicklung eines Methodenstandards zur biologischen Funktionskontrolle von Fischaufstiegsanlagen (FAA) an Bundeswasserstraßen" herausfinden. Hierzu beabsichtigen sie, noch bis Jahresende in Mecklenburg-Vorpommern zu messen. Ein weiteres Untersuchungsjahr an einem größeren Fluss soll folgen.

Hintergrund ist, dass der Bund an den über 250 Stauanlagen der Bundeswasserstraßen die ökologische Durchgängigkeit herstellen muss. Dies erfordert hohe Investitionen, deren wirkungsvoller Einsatz überprüft werden muss.




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