Blütenmuster machen Hummeln effizienter

(30.01.2024) Die Suche nach Nektar kostet Insekten viel Energie, sie müssen also möglichst effizient vorgehen. Bunte Muster auf den Blütenblättern helfen dabei kräftig mit.

Ob Malven, Fingerhut oder Vergissmeinnicht: Viele Blüten tragen auffällige Muster, die in der Biologie als Saftmale bezeichnet werden. Denn es wird angenommen, dass die bunten Muster den bestäubenden Insekten den kürzesten Weg zum Nektar zeigen.

Das würde die Effizienz der Insekten bei der Nahrungssuche erhöhen und die Pollenausbreitung der Pflanze verbessern.


Die Interaktion von Hummeln mit Blüten wird deutlich effizienter, wenn die Blüten gemustert sind. Links ein Männchen der hellen Erdhummel, rechts eine Arbeiterin der dunklen Erdhummel.

Ein Team vom Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat jetzt erstmals die einzelnen Schritte entschlüsselt, über die Blütenmuster die Effizienz von Erdhummeln (Bombus terrestris) steigern.

Insgesamt reduzieren Saftmale die Zeit, die für die gesamte Interaktion mit einer Blüte gebraucht wird, um bis zu 30 Prozent – vom Anflug über das Finden des Nektars bis hin zum Abflug.

Was die Blütenmuster bewirken

Überraschenderweise verkürzen die Blütenmuster nicht die eigentliche Nektarsuche: Nach der Landung auf einer gemusterten Blüte finden die Hummeln nicht schneller zum Nektar als auf einer Blüte ohne Muster. Die Blütenmuster machen aber den Anflug effizienter und sorgen für eine strategisch günstigere Landeposition.

Sie wirken wie Markierungen auf einer Landebahn und helfen den Hummeln, ihren Anflug zu koordinieren. Das berichtet das Team um Anna Stöckl und Johannes Spaethe im Journal Functional Ecology.

Die Muster verkürzen auch die Zeit bis zum Abflug: Auf gemusterten Blüten halten sich die Insekten nach dem Nektarsammeln deutlich kürzer auf.

„Sehr oft laufen Hummeln für den Abflug an den Rand der Blütenblätter“, erklärt Johannes Spaethe. Womöglich finden sie diesen Startplatz schneller, wenn sie sich an einem Muster orientieren können.

Diese Nachweise gelangen mit Videotracking. Dabei wurden die Besuche von Hummeln auf künstlichen Blüten im Labor analysiert. Die Blüten trugen unterschiedliche Muster oder gar keine; alle waren mit Nektar bestückt.

So geht die Forschung weiter

Als nächstes will das Forschungsteam untersuchen, wie der Glanzeffekt, der bei manchen Blüten auftritt, das Wechselspiel mit bestäubenden Insekten beeinflusst.

Diese Arbeiten laufen in Kooperation mit Casper van der Kooi, der zurzeit als Stipendiat der Humboldt-Stiftung am Biozentrum forscht.

Auch Anna Stöckl, die vor kurzem an die Universität Konstanz gewechselt ist und dort eine Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe aufbaut, bleibt als Kooperationspartnerin erhalten.

Publikation

Flower patterns improve foraging efficiency in bumblebees by guiding approach flight and landing. Robin Richter, Alexander Dietz, James Foster, Johannes Spaethe, Anna Stöckl. Functional Ecology, 8. Januar 2023, Open Acces


Weitere Meldungen

Der Rotmilan zählt zu den windenergiesensiblen Arten; Bildquelle: Manfred Stöber – stock.aobe.com

Artenschutzprüfung bei Windenergieausbau unterstützen

Um einen beschleunigten Windenergieausbau mit den Biodiversitätszielen zu vereinbaren, müssen geeignete Flächen schnell ermittelt werden
Weiterlesen

Nur 12 Millimeter lang, aber über 140 Dezibel laut: Danionella cerebrum.; Bildquelle: Senckenberg/Britz

140 Dezibel lauter 12 Millimeter-Mini-Fisch

Ein internationales Forschungsteam mit Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Ralf Britz hat die nur etwa 12 Millimeter große Fischart Danionella cerebrum untersucht
Weiterlesen

Die Art Simulium ornatum gehört zu den veterinär- und humanmedizinisch relevanten Kriebelmücken.; Bildquelle: Dorian Dörge

Zunahme von Kriebelmücken in Deutschland erwartet

Forschende der Goethe-Universität und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Frankfurt haben erstmalig die räumlichen Verbreitungsmuster von Kriebelmücken in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen modelliert
Weiterlesen

Dinocephalosaurus Fossil (Institute of Vertebrate Paleontology and Paleoanthropology, Chinese Academy of Sciences, Beijing).; Bildquelle: Nicholas C. Fraser

Neue Fossilien des Meeressauriers Dinocephalosaurus orientalis erforscht

Ein internationales Team von Wissenschaftler*innen aus China, USA und Europa, darunter Dr. Stephan Spiekman, Paläontologe am Naturkundemuseum Stuttgart, hat neue Fossilien des Meeressauriers Dinocephalosaurus orientalis erforscht
Weiterlesen

Brillenblattnasen-Fledermaus; Bildquelle: Julio Hechavarria/Goethe-Universität Frankfurt

Neurobiologie: Wie Fledermäuse verschiedene Laute unterscheiden

Fledermäuse leben in einer Hörwelt. Sie nutzen ihre Stimme sowohl zur Kommunikation mit ihren Artgenossen, als auch zur Orientierung in der Umwelt
Weiterlesen

Paper of the Week: neues Erkenntnisse zu Sleep disordered breathing (SDB)

Paper of the Week: neue Erkenntnisse zu Sleep disordered breathing (SDB)

Es handelt sich dabei um eine Publikation von einem Research Team aus Finnland, welches sich mit dem sleep-disordered breathing (SDB) und dessen Diagnostik bei brachycephalen Rassen beschäftigt hat
Weiterlesen

Advisory Board on Cat Diseases (ABCD)

ABCD & Boehringer Ingelheim invite applications for the 2024 Young Scientist Award

The European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD) invites applications for the ABCD & Boehringer Ingelheim Young Scientist Award 2024
Weiterlesen

Ein Freitaucher taucht zwischen 3 jungen Buckelwalen von der Größe eines Busses ab; Bildquelle: Karim Iliya

Bartenwale haben einen einzigartigen Kehlkopf entwickelt, um zu kommunizieren

Laborversuche und Computersimulationen erklären erstmals, wie Bartenwale ihre Stimme erzeugen.
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen