Wenn das Immunsystem das Tumorwachstum fördert

(19.02.2016) Das Immunsystem spielt eine wichtige Rolle bei der Krebsentstehung. Sogenannte Natürliche Killer (NK)-Zellen sind Teil des Immunsystems und für die Eliminierung von Krebszellen verantwortlich.

ForscherInnen der Vetmeduni Vienna fanden heraus, dass NK-Zellen das Tumorwachstum auch fördern können. STAT5 ist hierfür das Schlüsselmolekül und dient als molekularer Schalter.

NK-Zellen brauchen aktives STAT5, um Tumorzellen zu töten. Fehlt STAT5 oder wird es gehemmt, bewirken sie jedoch das Gegenteil: Sie fördern das Tumorwachstum indem sie den blutgefäßbildenden Faktor VEGF produzieren.


Dagmar Gotthardt und ihre KollegInnen haben erstmals gezeigt, dass NK-Zellen einen Faktor produzieren, der das Tumorwachstum begünstigt

Die Verwendung von Medikamenten die STAT5 hemmen, beschleunigt somit das Tumorwachstum. Die Studie wurde im renommierten Fachjournal Cancer Discovery veröffentlicht.

Das Immunsystem schützt den Körper vor Eindringlingen und bekämpft Krebszellen, die im gesunden Organismus ständig neu entstehen. Krebszellen zu eliminieren, ist eine wichtige Aufgabe der NK-Zellen. Damit NK-Zellen funktionstüchtig sind, brauchen sie den Aktivator STAT5.

Ein Team um Dagmar Gotthardt und Veronika Sexl vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie an der Vetmeduni Vienna zeigten nun, dass NK-Zellen, denen STAT5 fehlt, Krebszellen zum Wachstum anregen.

„Man kann sich STAT5 wie einen Ein-/Aus-Schalter vorstellen. Ist STAT5 vorhanden, regt es NK-Zellen dazu an, gegen Krebszellen vorzugehen. Fehlt STAT5, schlagen NK-Zellen ins Gegenteil um und regen Krebszellen zum Wachstum an“, erklärt Gotthardt, Erstautorin der Studie.

STAT5 ist Angriffspunkt bei der Behandlung vieler Krebsarten

STAT5 ist bei vielen Krebsarten, wie beispielsweise Bauchspeicheldrüsen-, Leberkrebs und Leukämie hoch aktiv. Medikamente, die STAT5 hemmen sollen, gelten als Hoffnungsträger in der Behandlung einer Reihe von Tumoren. Diese Strategie stellen Gotthardt und ihre KollegInnen nun infrage.

„Solche Inhibitoren zielen nicht nur auf Krebszellen, sondern könnten auch das Immunsystem und die NK-Zellen negativ beeinflussen. Somit könnten sie das Fortschreiten der Krankheit fördern. Das wäre ein gefährlicher Cocktail für die Patientinnen und Patienten“, so Gotthardt.

Die Forschenden haben erstmals gezeigt, dass NK-Zellen einen Faktor produzieren, der das Tumorwachstum begünstigt, den sogenannten VEGF-A (Vascular Endothelial Growth Factor A). Verschiedene Experimente zeigten, dass STAT5 normalerweise die Produktion dieses Signalmoleküls in NK-Zellen unterdrückt.

Fehlt STAT5, wird der Faktor in hohen Mengen produziert und es kommt zu einem verstärkten Tumorwachstum. Die Ergebnisse sind von klinischer Relevanz, unter anderem wurde ein Inhibitor verwendet, der bereits in der Klinik eingesetzt wird.

Publikation

Der Artikel „STAT5 is a key regulator in NK cells and acts as molecular switch from tumor surveillance to tumor promotion” von Dagmar Gotthardt, Eva M. Putz, Eva Grundschober, Michaela Prchal-Murphy, Elisabeth Straka, Petra Kudweis, Gerwin Heller, Zsuzsanna Bago-Horvath, Agnieszka Witalisz-Siepracka, Abbarna A. Cumaraswamy, Patrick T. Gunning, Birgit Strobl, Mathias Muller, Richard Moriggl, Christian Stockmann und Veronika Sexl wurde im Journal Cancer Discovery veröffentlicht.


Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Vetmeduni Vienna

Neue Therapiemöglichkeit bei aggressivem Blutkrebs entdeckt

Bei der häufigsten Form akuter Leukämie, der AML, wurde eine neue Therapiechance aufgezeigt. Forschende der Vetmeduni Vienna und des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung identifizierten eine Schwachstelle des durch Mutationen verkürzten und dadurch onkogen wirkenden Proteins C/EBPα
Weiterlesen

a) PatientInnen mit einer aktivierenden STAT5B-Mutation haben eine erniedrigte Interferon-Antwort, was die Entstehung und das Wachstum von Leukämiezellen fördert. b) Im Leukämiemausmodell ohne STAT5B führt die erhöhte Interferon-A; Bildquelle: Institut f. Pharmakologie und Toxikologie/Vetmeduni Vienna

Neuer Behandlungsansatz gegen Leukämien

Einem internationalen Forschungsteam unter Leitung von WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna gelang ein wichtiger Schritt, um lymphatische Leukämien besser zu verstehen
Weiterlesen

Gesichtstumor beim Tasmanischen Teufel; Bildquelle: Save the Tasmanian Devil Program

Ansteckender Krebs beim Tasmanischen Teufel: Molekulare Mechanismen entschlüsselt

Gesichtstumore von Tasmanischen Teufeln, einer Tierart aus der Familie der Raubbeutler, gehören zu den extrem seltenen Fällen übertragbarer Krebserkrankungen
Weiterlesen

Ein spezielles 'Hunde-Immunglobulin E' (IgE) soll die Vierbeiner zukünftig effektiv bei der Diagnose Krebs unterstützen; Bildquelle: Michael Bernkopf/Vetmeduni Vienna

Immunglobulin E als vielversprechende neue Form der Immuntherapie gegen Krebs-Tumoren

Richten sich Immunglobuline E (IgE) gegen eigentlich harmlose Antigene wie Pollen, kann eine allergische Reaktion erfolgen
Weiterlesen

Vetmeduni Vienna

Studie zu Lymphomerkrankungen im Magen-Darmtrakt bei Katzen

Im Rahmen einer Studie an der Vetmeduni Vienna werden die Therapiekosten übernommen
Weiterlesen

Forschende um Richard Moriggl von der Vetmeduni Vienna konnten bei ihren Untersuchungen am krebsfördernden Molekül STAT5 den Stoffwechsel von Krebszellen als Tumorförderer identifizieren; Bildquelle: Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Zellstoffwechsel begünstigt Tumorwachstum

Viele der sonst strikt organisierten Signalketten und Abläufe sind in Krebszellen zu Gunsten einer schnelleren Zellteilung verändert
Weiterlesen

Erika Jensen-Jarolim (m.) und ihr Team um Josef Singer und Judit Fazekas zeigten, dass eine künstliche Struktur des Brustkrebs-Tumorantigens HER2 mit einem viralen Partikel direkt als vorbeugender Impfstoff verwendet werden kann; Bildquelle: Erika Jensen-Jarolim

Virale Partikel unterstützen vorbeugende Impfung gegen Brustkrebs

Künstliche Strukturen von Tumorantigenen, sogenannte Mimotope, können als Impfung bei KrebspatientInnen eine langfristige Immunantwort bewirken
Weiterlesen

Das Team um Sexl und Erstautorin Putz baut auf den neuen Mechanismus von STAT1 zur Immuntherapie von Krebs.; Bildquelle: Michael Bernkopf/Vetmeduni Vienna

Neuer Mechanismus aktiviert Immunzellen gegen Tumorzellen

Wenn sich Krebszellen der Überwachung durch das Immunsystem entziehen, entsteht ein Tumor. Eine der Aufgaben der Krebsforschung ist es daher herauszufinden, wie man die körpereigene Abwehr gegen Tumorentstehung verstärken kann
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen