FoodSafeR-Projekt: Nachhaltige Lebensmittelsicherheit im Fokus

(20.10.2022)  Lebensmittelsicherheit, Ernährung und Ernährungssicherheit sind eng miteinander verknüpft – so der Tenor der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Unsichere Lebensmittel können zu einem Teufelskreis von Krankheiten und Unterernährung führen, der insbesondere Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere, ältere Menschen sowie immungeschwächte und kranke Menschen betrifft.

Das neu angelaufene FoodSafeR-Projekt des Kompetenzzentrums für Futter- und Lebensmittelsicherheit (FFoQSI) der Vetmeduni soll nun maßgeblich dazu beitragen, das Lebensmittelsystem sicherer zu machen.


Eine sichere Lebensmittelversorgung trägt nicht nur zur Lebensmittel- und Ernährungssicherheit bei, sondern birgt viele soziale Implikationen bis hin zu Bildungschancen, unterstützt die Volkswirtschaft sowie den Tourismus und fördert so die nachhaltige Entwicklung vieler Wirtschaftssysteme (siehe Sustainable Development Goals der UN). Krisen wie die COVID-19-Pandemie oder die aktuelle Situation in der Ukraine zeigen, wie anfällig dieses System für Verwerfungen ist.

Risikomanagement und Risikoinformation müssen zukunftssicher werden

Tierseuchen, Zoonosen und extreme Wetterereignisse in Europa haben die grundlegende Anfälligkeit unserer globalen Lebensmittelsysteme ins Rampenlicht gerückt.

In Europa verursachen lebensmittelbedingte Gefahren, darunter Bakterien, Parasiten, Toxine (chemische Gefahren) und Allergene jedes Jahr bereits rund 23 Millionen Krankheits- und 5.000 Todesfälle.

Diese systemischen Herausforderungen dürften in den kommenden Jahren durch den Klimawandel, die Umstellung unseres Lebensmittelsystems auf eine stärker pflanzlich orientierte Ernährung und die Notwendigkeit einer Kreislaufwirtschaft noch erheblich verschärft werden.

Hochdotiertes Multi-Akteur-Forschungsprojekt

Die Komplexität der Faktoren, die zu lebensmittelbedingten Gefahren führen, erfordert einen besseren Informationsaustausch im gesamten (internationalen) Lebensmittelsystem sowie den Einsatz neuartiger Techniken, einschließlich der Verarbeitung von großen Datenmengen, um ein evidenzbasiertes und zukunftssicheres, datengestütztes Management durch die involvierten Verkehrskreise zu erleichtern.

Diesen Herausforderungen widmet sich das eben angelaufene, mit sechs Millionen Euro dotierte FoodSafeR-Projekt unter Federführung von Martin Wagner und Rudolf Krska (BOKU) – beide hoch aktiv im Österreichischen Kompetenzzentrum für Futter- und Lebensmittelsicherheit (Feed and Food Quality, Safety & Innovation/FFoQSI).

 Das FFoQSI zählt mehr als 60 Mitarbeiter:innen und ist ein seitens der FFG und den Bundesländern Oberösterreich, Niederösterreich und Wien gefördertes Verbundforschungszentrum, das sich der integrierten Lebensmittelforschung verschrieben hat.

Die Veterinärmedizinische Universität Wien ist mit der Universität für Bodenkultur (BOKU) und der FH Oberösterreich Konsortialpartnerin.

„Die Management- und Informationssysteme für die Lebensmittelsicherheit, die in den letzten Jahrzehnten in der europäischen Landwirtschaft und in den Lebensmittelunternehmen sowie in der nationalen und europäischen Verwaltung eingeführt wurden, müssen nun geschärft werden, um sie robuster gegenüber den Stressoren zu machen, die auf unsere globalen Lebensmittelsysteme einwirken.

Diese Überlegungen führen zum Bedarf eines proaktiven Risikomanagements, das das Lebensmittelsystem der EU zukunftssicher gestalten kann“, sagt Martin Wagner, wissenschaftlicher Leiter des FFoQSI.

„Im Mittelpunkt unseres Forschungsprojekts steht die Ermittlung neuer Daten und die Vermittlung von schon bekannten Sachverhalten zu neu auftretenden Fragen (emerging risks) der Lebensmittelsicherheit, wie sie im kürzlich veröffentlichten EU-Forschungsprogramm Horizont Europa gefordert werden“, so Wagner weiter.

Das Multi-Akteur-Konsortium FoodSafeR bringt 18 Konsortialpartner aus Forschung, Lebensmittelindustrie, Technologie-KMUs, staatlichen Stellen und zivilgesellschaftlichen Organisationen in einem „gemeinsamen Ansatz“ zur Entwicklung zukunftssicherer Instrumente zusammen, deren Funktionalität und Inhalte auf modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und in einer Reihe von Fallstudien zu ausgewählten (neu auftretenden) Lebensmittelgefahren organisiert sind.

„Endnutzer und Interessengruppen sind stark eingebunden, um ein Testen mit Anwendern zu ermöglichen, da das Projekt eine ganzheitliche Sichtweise, innovative Analysen, Big Data und maschinelles Lernen sowie einen bahnbrechenden, auf mehreren Kriterien basierenden Entscheidungsprozess verknüpft,“ erklärt Martin Wagner.

Diese herausragende Reichweite wird durch die enge Zusammenarbeit mit einem einzigartigen internationalen Beratungsgremium sichergestellt, das die globale Dimension des Lebensmittelsystems von Asien über Afrika bis hin zu den USA abdeckt.


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