Schutz vor Tierseuchen: Vernehmlassung über Bekämpfungsmassnahmen eröffnet

(12.06.2017) Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) hat am 29. Mai 2017 die Vernehmlassung zu Anpassungen von Verordnungen im Bereich Tiergesundheit eröffnet. Die wichtigsten Änderungen betreffen neue Bekämpfungsmassnahmen von Tierseuchen wie Lumpy skin disease und Tuberkulose bei Wildtieren sowie den Ausbau der Tierverkehrskontrolle bei Schafen und Ziegen.

Die Tierseuche Lumpy skin disease ist eine Viruserkrankung bei Rindern, die durch Insekten übertragen wird. Die Tierseuche breitet sich in der Balkanregion stark aus. In der Schweiz sind bisher keine Erkrankungen aufgetreten.

Schweiz Damit dies so bleibt, hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) bereits im letzten Sommer eine entsprechende Verordnung über die Einfuhr von Rindern und Produkten aus Südosteuropa erlassen. Die vorgeschlagene Anpassung der Tierseuchenverordnung (TSV) geht noch einen Schritt weiter.

Neu sollen konkrete Bekämpfungsmassnahmen festgelegt werden. Konkret geht es um die Zulassung von Impfungen gegen die Lumpy skin disease. Damit müssten im Seuchenfall nicht mehr automatisch sämtliche Tiere eines verseuchten Bestandes getötet werden.

Auch im Fall der Tuberkulose bei Wildtieren ist die Schweiz derzeit seuchenfrei. Das BLV arbeitet hier seit 2014 erfolgreich mit einem spezifischen Überwachungsprogramm. Durch die Wanderung der Hirsche besteht jedoch jederzeit die Möglichkeit, dass verseuchte Tiere in die Schweiz gelangen.

Insbesondere im Grenzgebiet Schweiz-Österreich ist die Seuchengefahr seit Längerem stark erhöht. Die bestehenden Bestimmungen in der TSV sollen aus diesem Grund ergänzt werden. Dadurch könnten bei Verdacht auf Tuberkulose beim Wild neu umgehend Massnahmen getroffen werden, um eine Ansteckung der Rinderbestände möglichst zu verhindern.

Doppelohrmarke auch für Schafe und Ziegen

Auch die Kontrolle des Tierverkehrs soll angepasst werden. Tierhaltende sollen neu bei Schafen und Ziegen alle Geburten, Zu- und Abgänge, Ein- und Ausfuhren sowie Todesfälle ihrer Tiere in der Tierverkehrsdatenbank melden.

Gleichzeitig sollen auch Schafe und Ziegen mit zwei Ohrmarken gekennzeichnet werden. Die Anpassungsvorschläge erfolgen aus zwei Gründen: Einerseits um Lebensmittel tierischen Ursprungs zurückverfolgen zu können, andererseits um bestehende oder neue Tierseuchen zu bekämpfen.

Tierische Nebenprodukte als Futtermittel

Neben der TSV soll unter anderem auch die Verordnung über die Entsorgung von tierischen Nebenprodukten geändert werden. Aufgrund des BSE-Status der Schweiz („vernachlässigbares Risiko“) müssen heute viel weniger tierische Nebenprodukte verbrannt werden.

Viele dieser Produkte könnten für die Herstellung von Futter für Heimtiere sowie teilweise auch für Nutztiere verwendet, oder zu Düngemitteln verarbeitet werden.

Zulässig soll auch der Export dieser tierischen Nebenprodukte sein. Es wird vorgeschlagen, die Kriterien für die Herstellung von „verarbeitetem tierischem Protein“ dem EU-Recht anzugleichen.

Neu sollen ausserdem Proteine von insgesamt sieben Insektenarten an Zuchtfische verfüttert werden dürfen. Auch diese Regelung entspricht dem EU-Recht.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Schweiz

Schreddern von lebenden Küken wird in der Schweiz verboten

Dies hat der Bundesrat in seiner Sitzung vom 23. Oktober 2019 entschieden. Das Verbot tritt am 1. Januar 2020 in Kraft. Die Tierschutzverordnung wird entsprechend angepasst
Weiterlesen

Schweiz

Revision der Tierseuchenverordnung: Verstärkter Kampf gegen Moderhinke

Die Moderhinke ist eine schmerzvolle Klauenkrankheit bei Schafen, die in der Schweiz weit verbreitet ist
Weiterlesen

Schweiz

Tierschutz bei Nutztieren: Ein Drittel aller Grundkontrollen findet unangemeldet statt

Im Jahr 2018 wurden in der Schweiz auf 10’647 landwirtschaftlichen Betrieben Grundkontrollen durchgeführt. Rund ein Drittel davon erfolgte unangemeldet
Weiterlesen

Schweiz

Tierverkehrsdatenbank: Beteiligung des Bundes und Verantwortlichkeit klar geregelt

Die Kontrolle des Tierverkehrs ist wichtig, um Seuchen vorzubeugen und sie zu bekämpfen. Zu diesem Zweck führt die Identitas AG im Auftrag des Bundes seit 1999 die Tierverkehrsdatenbank
Weiterlesen

Schweizer Tierschutz STS

Schweizer Tierschutz STS fordert besseren Vollzug der Tierschutzverordnung (TSchV)

Im März 2018 traten verschiedene Änderungen der Tierschutzverordnung (TSchV) in Kraft. Den Umsetzungsstand zweier neuer Bestimmungen - Deklarationspflicht für Heimtiergehege und Informationspflicht bei Verkaufsinseraten für Hunde - hat der Schweizer Tierschutz STS überprüft
Weiterlesen

Eidgenössisches Departement des Innern

Deklaration von Pelzen soll präzisiert werden

Echter Pelz soll künftig explizit als solcher gekennzeichnet werden. Diese und weitere Anpassungen der Pelzdeklarationsverordnung hat das Eidgenössische Departement des Innern bis Mitte Mai 2019 in die Vernehmlassung gegeben
Weiterlesen

Stiftung für das Tier im Recht (TIR)

Massive kantonale Unterschiede bei der Verfolgung von Tierschutzdelikten

Gemäss der aktuellen Jahresanalyse der Stiftung für das Tier im Recht (TIR) musste im Jahr 2017 zum ersten Mal seit 2004 ein signifikanter Einbruch der Anzahl Tierschutzstrafverfahren verzeichnet werden
Weiterlesen

Schweizerischer Bundesrat

Antibiotikaresistenzen bei Tieren: Gezielte Massnahmen dank neuem Informationssystem

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 31. Oktober 2018 die Verordnung über das Informationssystem Antibiotika in der Veterinärmedizin (ISABV-V) verabschiedet
Weiterlesen