Überarbeitetes Konzept Biber geht in Konsultation

(22.06.2015) Der Biber hat sich in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz weit verbreitet. Der Umgang mit dem Tier, das durch das Fällen von Bäumen und das Errichten von Dämmen seinen Lebensraum selber gestaltet, ist im Konzept Biber geregelt.

Diese gut 10-jährige Vollzugshilfe muss den heutigen Anforderungen angepasst werden. Das Bundesamt für Umwelt BAFU hat deshalb am 18. Juni 2015 die Konsultation zum überarbeiteten Konzept eröffnet.

Schätzungsweise 2800 Biber leben zurzeit in der Schweiz, vor 10 Jahren waren es noch 1600 Tiere (siehe Kasten 1 «Verbreitung der Biber in der Schweiz»). Als Erbauer von Dämmen, Kanälen und Burgen sowie als Holzfäller gestaltet der Biber seinen Lebensraum wie keine andere Tierart selber. Dadurch erhöht er die Vielfalt und die Dynamik der Gewässer, wovon andere Tier- und Pflanzenarten profitieren. Der Biber spielt somit eine wichtige Rolle für die Biodiversität der Gewässer und beeinflusst mit seinen Dämmen den Wasserhaushalt in der Landschaft massgebend.

Konzept Biber wird den heutigen Anforderungen angepasst

Der konkrete Umgang mit dem Tier ist im Konzept Biber geregelt. 2004 hatte das Bundesamt für Umwelt BAFU diese Vollzugshilfe in Kraft gesetzt. Aufgrund der Erfahrungen der letzten zehn Jahre wird das Konzept nun aktualisiert.

Ein Rechtsgutachten des BAFU zeigt überdies, dass bisher verschiedene rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Präventionsmassnahmen und Biberschäden sowie der Umgang mit seinem selbst gestalteten und veränderten Lebensraum zu wenig klar festgelegt sind (siehe Kasten 2 «Rechtsgutachten Biber»). Diese Lücke wird mit dem neuen Konzept geschlossen.

Eine nationale Arbeitsgruppe mit den betroffenen Kantonen und Interessengruppen hat unter der Leitung des BAFU die Anpassungen vorgenommen. Das BAFU hat das überarbeitete Konzept am 18. Juni 2015 in die Konsultation geschickt. Sie dauert bis am 3. September 2015. Danach wird das BAFU das Konzept nochmals überarbeiten und voraussichtlich im Herbst 2015 als Vollzugshilfe in Kraft setzen.

Die wichtigsten Punkte des Konzepts Biber

Bei natürlichen und naturnahen Gewässern mit genügend breitem Uferbereich kommt es selten zu Konflikten mit Bibern. Die Ausscheidung von Gewässerraum, wie sie im Gewässerschutzgesetz vorgesehen ist, und Revitalisierungen von Gewässern tragen dazu bei, Konflikte mit dem Biber zu minimieren.

Hauptkonflikte entstehen in der intensiv genutzten Landschaft an Infrastrukturen im Gewässerraum, wie bspw. an Fuss- und Wanderwegen, an land- und forstwirtschaftlichen Wegen oder an Hochwasserschutzbauten. Zudem fressen Biber Zuckerrüben und Mais oder fällen Nutzholz. Durch den Bau von Dämmen können sie ganze Flächen unter Wasser setzen. Schäden an Kulturen werden durch Bund und Kantone abgegolten. Beide übernehmen je die Hälfte der Kosten.

Biber sind nach eidgenössischem Jagdgesetz geschützte Tiere. Auch ihre Baue und Dämme stehen unter gesetzlichem Schutz. Massnahmen zur Prävention von Schäden kommen deshalb eine grosse Bedeutung zu. So können die betroffenen Bewirtschafter, Privatpersonen und Grundeigentümer ihre Kulturen oder Infrastrukturen mit verschiedenen Massnahmen schützen.

Die kantonale Fachstelle berät sie dabei. Das Konzept führt zudem auf, welche technischen Massnahmen (bspw. Biberdamm regulieren) oder Eingriffe im Biberlebensraum (bspw. Revitalisierung des Gewässers) sowie in den Bestand der Tiere (bspw. Entfernung von einzelnen Bibern) Schäden verhindern können.

Für Massnahmen an Biberdämmen und -bauen (Manipulationen, Entfernung und Zerstörung) reicht eine kantonale Bewilligung aus. Über das Entfernen einzelner Biber entscheidet wie bis anhin das BAFU.

Neu kann zudem ein Kanton bei einer erheblichen Gefährdung von Infrastrukturen im öffentlichen Interesse, mit Zustimmung des BAFU, sämtliche Biber in einem gefährdeten Gewässerabschnitt entfernen. Diese Änderung erfolgt aufgrund der Anpassung der Jagdverordnung 2012. Massnahmen am Biberbestand sind zeitlich befristet und sollen der Umsetzung von nachhaltigen Lösungen dienen.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Biberaktivität auf der Seward-Halbinsel in Alaska. Die Tiere haben einen arktischen Tundrastrom in ein Feuchtgebiet verwandelt. Gut zu sehen sind mehrere Dämme und eine Biberburg.; Bildquelle: Christopher Arp / University of Alaska

Biber verändern das Gesicht der Arktis

Die großen Nagetiere dringen immer weiter in die Tundra Alaskas vor – mit weitreichenden Folgen für das dortige Ökosystem
Weiterlesen

Luftaufnahme eines Biberdamms mit Staubereich im Bereich der Mündung der Dorfen in die Isar. Im flachen Gelände entstehen große Teiche; Bildquelle: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Schützen Biberdämme vor Hochwassern?

Hochschule Weihenstephan-Triesdorf erforscht Grundlagen zum Wasserrückhalt durch Biberdämme
Weiterlesen

Schweiz

Konzept Biber den heutigen Anforderungen angepasst

Das Konzept Biber regelt den Umgang mit dem Säugetier, das sich in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz weit verbreitet hat. Nun ist diese Vollzugshilfe für die Kantone den heutigen Anforderungen angepasst worden
Weiterlesen

WWF

Mit Biber und Fischotter leben lernen

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Versuche des Landes Niederösterreich, den Schutz gefährdeter Arten durch eine Gesetzesänderung aufzuweichen, sorgt sich der WWF um die Zukunft der Populationen von Fischotter und Biber
Weiterlesen

Kanton Wallis

BAFU lehnt Antrag des Kantons Wallis zur Regulation von Bibern ab

Das BAFU lehnt den Antrag des Kantons Wallis zur Regulation des Biberbestands im Canal du Syndicat zwischen Charrat und Saxon (VS) ab
Weiterlesen

Der Biber ist in die Leineaue bei Hannover zurückgekehrt; Bildquelle: Lorenz, Wolfgang/piclease

DBU stiftet rund 125.000 Euro für Bibermanagement-Pilotprojekt in der Leineaue bei Hannover

Langsam erobert der Biber einige seiner früheren Lebensräume in Deutschland zurück. Doch seine Rückkehr verläuft nicht immer reibungslos: Oft gibt es Konflikte, wenn Biberdämme Agrarflächen unter Wasser setzen
Weiterlesen

Schweiz

Biber-Management in der Schweiz

Damit das Überleben des Bibers in der Schweiz gesichert werden kann, müssen seine natürlichen Lebensräume besser vernetzt werden. Gleichzeitig sind allfällige Schäden in der Land- und Forstwirtschaft auf ein Minimum zu reduzieren
Weiterlesen