Insektengift gefährdet Vögel

(23.07.2014) Eine Studie aus Holland macht das Insektizid Imidacloprid für den Rückgang von Vögeln verantwortlich. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach geht davon aus, dass dieses zu den Neonicotinoiden gehörende Insektengift auch in der Schweiz Vögel gefährdet.

Belegen kann sie das nicht, weil nicht bekannt wird, wo in der Schweiz wieviele Neonicotinoide eingesetzt werden.

Jedes Jahr 3,5% weniger Vögel: Diesen Rückgang belegten holländische Forscher in Landschaften, wo viel Imidacloprid eingesetzt wird. Das gegen Schadinsekten verwendete Nervengift tötet auch Insekten, die keinen Schaden verursachen.


Als spezialisierte Insektenfresserin ist die Rauchschwalbe besonders vom Einsatz von Imidacloprid betroffen, wie die holländische Studie zeigt

Darunter wiederum leiden Vögel, die sich von Insekten ernähren, denn sie finden nicht mehr genügend Futter für sich und ihre Jungen. In der Folge gehen Bestände zurück.

Für ihre Analyse konnten die holländischen Forschenden auf Messungen von Imidacloprid im Oberflächenwasser von Gewässern und auf umfangreiche Vogelerhebungen zurückgreifen. Auch die Schweizerische Vogelwarte verfügt dank ihren über tausend freiwilligen Mitarbeitenden über einen hervorragenden Überblick über die Entwicklung der Schweizer Vogelbestände.

Leider sind in der Schweiz keine Angaben über den Einsatz und allfällige Rückstände der bedrohlichen Nervengifte verfügbar, die es ermöglichen würden, den Einfluss von Neonicotinoiden auf Vögel mit Zahlen zu belegen.

Die Schweizerische Vogelwarte fordert daher eine schweizweite Überwachung des Einsatzes von Neonicotinoiden und eine Analyse ihrer Rückstände im Boden und in Gewässern. Nur so kann abgeschätzt werden, wie sich deren Einsatz auf Vogelbestände und andere Tiere auswirkt.

Publikation

Hallmann, C. A., Foppen, R. P. B., van Turnhout, C. A. M., de Kroon, H. & E. Jongejans: Declines in insectivorous birds are associated with high neonicotinoid concentrations, Nature, 2014; doi: 10.1038/nature13531



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Ein helvetischer Bergler: Birkhahn vor dem Matterhorn im Film "Welcome to Zwitscherland ; Bildquelle: Marc Tschudin, filmarc GmbH

Im Kino: Welcome to Zwitscherland!

Am 1. November kommt der Film „Welcome to Zwitscherland – Wie das Land, so die Vögel“ von Marc Tschudin in die Schweizer Kinos
Weiterlesen

Das Bild einer Uferschnepfe in der Agrarlandschaft ist der Gesamtsieger des Fotowettbewerbs 2018 der Schweizerischen Vogelwarte; Bildquelle: Karsten Mosebach

Sieger desFotowettbewerbs der Schweizerischen Vogelwarte

Die Jury hat entschieden. Das Siegerbild des Fotowettbewerbs 2018 der Schweizerischen Vogelwarte zeigt ein surreal anmutendes Bild einer Uferschnepfe, die auf einem Acker rastet
Weiterlesen

Dr. Susi Jenni-Eiermann von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach wurde am Internationalen Ornithologen-Kongress in Vancouver, Kanada, zur Permanent Secretary gewählt; Bildquelle: Schweizerische Vogelwarte

Hohe Ehre für Schweizer Ornithologin Susi Jenni-Eiermann

Die Sempacher Biologin Dr. Susi Jenni-Eiermann wurde in das Leitungsgremium der International Ornithologists‘ Union gewählt
Weiterlesen

Die farbenprächtigen Bienenfresser ziehen im Herbst nach Afrika, um dort zu überwintern.; Bildquelle: Markus Varesvuo

Weltneuheit in der Vogelzugforschung

Viele kleine Vögel ziehen im Herbst in Gruppen in ihre Winterquartiere. Bisher gab es keine Hinweise, dass einzelne Mitglieder einer solchen Gruppe über eine längere Zeit zusammenbleiben
Weiterlesen

Ein junger Kuckuck wird von einem Teichrohrsänger gefüttert, einem häufigen Wirtsvogel in der Schweiz. Er überragt seine Adoptiveltern dabei um ein Vielfaches! ; Bildquelle: Oliver Richter

Kuckuck ist in der Schweiz immer seltener anzutreffen

Das zeigt der neue Brutvogelatlas der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, der Ende 2018 erscheint
Weiterlesen

Londoner Ornithologe David Lindo; Bildquelle: Kosmos Verlag

Urban Birder David Lindo an der Vogelwarte

Der berühmte britische Ornithologe präsentiert am 24. April an der Vogelwarte Sempach sein neues Buch
Weiterlesen

Tschechische Drosselrohrsänger (blau) überwintern weiter westlich als Bulgarische Vögel (rot). Die beiden Populationen ziehen im Winter auch in unterschiedliche Richtungen in ein zweites Winterquartier (Pfeile). Punkte bezeichnen Vögel; Bildquelle: Jaroslav Koleček

Zugvögel legen auch in den Winterquartieren weite Strecken zurück

Viele Zugvögel befinden sich momentan in ihren Winterquartieren in Afrika. Wenig bekannt ist, dass die Vögel auch im Winter weite Strecken zurücklegen können
Weiterlesen

Online-Datenbank "ornitho"

Online-Datenbank „ornitho“ feiert ihr 10-jähriges Jubiläum

Zehn Jahre alt und nicht mehr wegzudenken: Auf der Online-Plattform ornitho.ch können Vogelbegeisterte in der ganzen Schweiz ihre Beobachtungen melden
Weiterlesen