Einflug des Eichelhähers

(03.11.2021) Auf der Beringungsstation der Vogelwarte Sempach auf dem Col de Bretolet wurden noch nie so viele Eichelhäher gefangen wie in diesem Jahr. Grund für diesen Rekord ist ein Einflug von Vögeln aus dem Norden.

Im Jahr 2021 konnten auf der im Unterwallis gelegenen Beringungsstation Col de Bretolet so viele Eichelhäher beringt werden wie noch nie zuvor: Insgesamt wurden 154 Individuen markiert, im Durchschnitt sind es pro Saison 13 Eichelhäher.


Noch nie war die Anzahl gefangener Eichelhäher auf dem Col de Bretolet höher als diesen Herbst

Diese hohen Zahlen deuten auf einen Einflug hin. Der letzte Einflug fand im Jahr 2019 statt, als während der gesamten Zugzeit über dem Bodensee mehr als 130 000 Individuen gezählt werden konnten!

Einflüge sind Massenfluchten, die manche nordeuropäische Vögel in unregelmässigen Abständen Richtung Süden oder Westen unternehmen. Ein Blick auf den Nahrungserwerb des Eichelhähers liefert mögliche Erklärungen für dieses Phänomen: Wie sein Name andeutet, ist der kleine Rabenvogel stark von Eicheln als Nahrungsquelle abhängig. Einflüge kommen daher nur in Jahren vor, in denen es in nordischen Ländern wenige Eicheln und einen frühen Wintereinbruch gibt, aber nur wenn der Bruterfolg im Vorjahr hoch war und es viele Eicheln gab.

Für jede Vogelart gibt es einen passenden Ring. Die Ringe sind mit "Sempach Helvetia" beschriftet.; Bildquelle: Schweizerische Vogelwarte

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In der Schweiz ist der Eichelhäher ein Teilzieher. Die Mehrheit der Vögel verbringt den Winter hier, ein Teil allerdings – dazu zählen insbesondere die Jungvögel – zieht in den Mittelmeerraum. Zu den bei uns überwinternden Vögeln gesellen sich im Winter solche aus nördlicheren Ländern.

Der Eichelhäher kommt in Wäldern aller Art vor und gilt als fleissiger Förster: Jedes Jahr versteckt er grosse Mengen an Eicheln als Wintervorräte, findet jedoch nicht alle dieser Verstecke wieder. So trägt er zur Waldverjüngung und Verbreitung der Eiche bei.

Die Vogelberingung auf dem Col de Bretolet

Vögel, welchen ein Ring angelegt wird, können individuell erkannt werden. Werden die Vögel oder ihre Aluminiumringe später wiedergefunden, so erhält man Informationen darüber, in welchen Gebieten sie sich aufhalten.

Die Beringung ermöglicht auch einen wertvollen Einblick in globale Trends, wie etwa Einflüge einer Art. Da nicht alle durchziehenden Vögel beringt werden können, widerspiegelt die Zahl der beringten Individuen jedoch nie das gesamte Ausmass eines Phänomens.

Auf dem Gebirgspass Col de Bretolet (VS) führt die Schweizerische Vogelwarte eine Langzeitstudie über den Vogelzug durch. Zwischen Anfang August und Ende Oktober wird dort der Vogelzug untersucht, was nur dank der Mitarbeit von Freiwilligen möglich ist.





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