Campylobacter ist der häufigste Grund für Lebensmittelinfektionen

(10.07.2014) Fleischfondue mit Poulet gehört im Winter zu den Hauptrisikofaktoren einer Campylobacter-Infektion in der Schweiz. Das zeigt eine neue Studie des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Jeweils zum Jahresende nehmen in der Schweiz die gemeldeten Krankheitsfälle dieser heftigen Darminfektion zu. Gemäss der neuen Studie lässt sich dieser Anstieg in der Festtagszeit auf den Konsum von «Fondue Chinoise» zurückführen.

Swiss TPH In der Schweiz erkranken jährlich zwischen 7000 und 8000 Menschen an einer Campylobacter-Infektion. Sie ist damit die häufigste durch Lebensmittel übertragene bakterielle Krankheit.

Die Verunreinigung von Pouletfleisch mit Campylobacter-Keimen im Schlachtprozess gehört zu den bekannten Infektionsursachen. Eine Zunahme der Krankheitsfälle wird europaweit beobachtet. Die Erkrankung ist in der Schweiz meldepflichtig.

In der Schweiz ist ein ungewöhnlicher Anstieg der Krankheitsfälle um Weihnachten und Neujahr feststellbar. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat deshalb in Absprache mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) das Swiss TPH mit einer Fall-Kontroll-Studie beauftragt, um diese Zunahme über die Festtage zu untersuchen.

«Wir stützen uns dabei auf die meldepflichtigen Daten und Telefonbefragungen von betroffenen Personen», sagt Studienleiter Daniel Mäusezahl vom Swiss TPH.
Die Forscher befragten Betroffene, die zwischen Dezember 2012 und Februar 2013 an einer Campylobacter-Infektion erkrankten.

Eine unabhängige Laboruntersuchung hatte eine Campylobacter-Infektion bei allen befragten Personen vorgängig bestätigt. Die Risikofaktoren, die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe sowie der von den Betroffenen wahrgenommene Krankheitsverlauf standen bei der Befragung im Vordergrund.

Vierfach erhöhtes Risiko bei Konsum von Fleischfondue
Die Studie identifizierte zwei Faktoren für ein erhöhtes Infektionsrisiko mit Campylobacter-Keimen. Zum einen nimmt beim Konsum eines Fondue Chinoise das Infektionsrisiko um ein Vierfaches zu. Etwa die Hälfte der Krankheitsfälle während der Festtage lässt sich auf diese Infektionsquelle zurückführen.

Die Studie zeigt gleichzeitig auch, dass sich das Infektionsrisiko durch Hygienemassnahmen am Esstisch vermindern lässt. Sobald die Fleischfondue-KonsumentInnen getrennte oder unterteilte Teller für rohes und gekochtes Fleisch verwendeten, senkte sich das Risiko einer Infektion um den Faktor 5.

Ebenso sank das Risiko einer Infektion bei Konsum von zuvor gefrorenem Fleisch. «Campylobacter-Infektionen beim Konsumenten wären durch geeignete Verhaltensmassnahmen grösstenteils vermeidbar», sagt Daniel Mäusezahl.

Zum andern identifizierte die Studie auch einen Auslandaufenthalt über die Festtage als Risikofaktor einer Campylobacter-Infektion. Allerdings werden Reiserückkehrer mit Durchfall häufiger auf Infekte getestet, was diesen erhöhten Befund ebenfalls erklären könnte.

Keine harmlose Krankheit

Campylobacter-Infektionen wurden von Betroffenen als schwere Erkrankungen empfunden. Auf einer Skala von 1 «harmlos» bis 10 «sehr schwer» hat die Hälfte der Patienten die subjektiv erlebten Beschwerden mit 8 oder mehr Punkten bewertet.

Erkrankte Personen klagten primär über Durchfall (98%), Bauchschmerzen (81%), Fieber (66%), Übelkeit (44%) und Erbrechen (34%).

Die Patientinnen und Patienten gaben eine mittlere Erkrankungsdauer von sieben Tagen an; rund 15% mussten sich ins Spital begeben.

Weltweites Problem

Die Verunreinigung von Pouletfleisch mit Campylobacter-Keimen ist in der Geflügelindustrie weltweit ein Problem mit Folgen für die öffentliche Gesundheit.

In einigen Ländern Europas und in den USA kommt Geflügel daher nur noch gefroren oder nach Behandlung z. B. mit Peroxyessigsäure in den Handel.

Als mögliche Massnahmen diskutieren Mikrobiologen auch den präventiven Einsatz von bakteriellen Viren (so genannten Phagen). Mit dieser Massnahme könnten Campylobacter-Keime biologisch bekämpft und die Infektionsgefahr für den Menschen ebenfalls gesenkt werden.

Mehr zu den Ergebnissen der Studie im European Journal of Epidemiology


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