Neues Bildungs- und Forschungszentrum Agrovet-Strickhof

(26.09.2011) Das Kompetenzzentrum für Land- und Ernährungswirtschaft Strickhof, die ETH Zürich und die Universität Zürich spannen in der landwirtschaftlichen Bildung und Forschung zusammen.

In Lindau entsteht ein gemeinsames Bildungs- und Forschungszentrum von nationaler und internationaler Ausstrahlung. Der Betrieb soll ab 2014 aufgenommen werden.

Regierungsrat Markus Kägi, Professor Roman Boutellier, Vizepräsident für Personal und Ressourcen der ETH Zürich, und Stefan Schnyder, Direktor Finanzen, Personal und Infrastruktur der Universität Zürich, haben heute die Pläne für ein gemeinsames Bildungs- und Forschungszentrum am Strickhof in Lindau präsentiert.

Dort soll die universitäre Forschung und Bildung im Bereich Agrar- und Veterinärwissenschaften mit den praktischen Bedürfnissen der Landwirtschaft verknüpft werden.

Es entsteht ein Nutztierzentrum mit Milchvieh- und Mastställen sowie einem Nutztierstall für die Ausbildung der Studierenden der Veterinärmedizin.

Die ETH realisiert ein Stoffwechselzentrum, in dem sie gemeinsam mit der Universität Zürich Forschung betreiben wird. Das gemeinsame Bildungs- und Forschungszentrum ermöglicht eine enge Zusammenarbeit zwischen Vertretern der landwirtschaftlichen Praxis, Bildungsfachleuten, Agrarwissenschaftlern und Veterinären.

Die ganze Wertschöpfungskette wird so nach dem gesamtheitlichen Ansatz «From Feed to Food» betrachtet, d.h. von der Futtererzeugung über die Fütterung bis zur Gewinnung von Lebensmitteln.

Der Regierungsrat hat den Projektantrag für die entsprechenden Neubauten am Strickhof genehmigt und für die Phase Vorstudie grünes Licht gegeben. Baudirektor Markus Kägi: «Der Kanton Zürich, die ETH und die Universität Zürich schaffen in Lindau ein gemeinsames landwirtschaftliches Bildungs- und Forschungszentrum von nationaler und internationaler Ausstrahlung.»

Gemeinsame Nutzung von Infrastruktur und Tierbestand

Die zunehmend komplexer werdenden Herausforderungen an die Landwirtschaft im Spannungsfeld von Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit, Lebensmittelsicherheit und Tierwohl erfordern je länger je mehr eine fächerübergreifende Herangehensweise.

Die Zusammenarbeit von Strickhof, ETH und Universität ermöglicht die Bündelung von Fachkompetenzen und einen vereinfachten, beschleunigten Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis und umgekehrt.

Nebst betrieblichen Synergien durch die gemeinsame Verwendung der Infrastrukturen und des Tierbestandes bietet die räumliche Nähe einen fruchtbaren Boden für innovative Forschungsprojekte an den Schnittstellen zwischen Agrarwissenschaft, Veterinärwesen und der landwirtschaftlichen Praxis.

Der Strickhof profitiert für die landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung von den Forschungseinrichtungen, die im Nutztierzentrum zur Verfügung stehen werden. Die Universität und die ETH nutzen die Praxisnähe des Strickhofs. Von der Zusammenarbeit profitiert auch die Zürcher und Schweizer Landwirtschaft, sowie der Wissensstandort Zürich

Mehrwert für alle drei Projektpartner

Die heutigen Stallungen am Strickhof erfüllen die aktuellen Anforderungen betreffend tiergerechter Haltung und ausbildnerischer Belange nicht mehr. Zudem fehlt die geeignete Infrastruktur für grössere Fach- und Publikumsanlässe.

Auch die Universität und die ETH Zürich haben an ihren jeweiligen Anlagen auf dem Landwirtschaftsbetrieb Stigenhof in Oberembrach und der Forschungsstation Chamau in Hünenberg ZG dringenden Sanierungsbedarf.

2009 erstellte das Amt für Landschaft und Natur des Kantons Zürich (ALN) deshalb einen Masterplan, um die mögliche räumliche Entwicklung an den beiden Standorten Lindau und Wülflingen aufzuzeigen.

Im Juli 2010 einigten sich das ALN, die ETH und die Universität Zürich auf ein gemeinsames Grobkonzept. Eine im März 2011 abgeschlossene Machbarkeitsstudie zeigt auf, dass die notwendige Infrastruktur am Standort Lindau realisierbar ist.

Die ETH-Forschungsstation Chamau soll im Zuge der Realisierung des Projektes Agrovet-Strickhof veräussert und der Verkaufserlös in den Bau des Stoff-wechselzentrums investiert werden.

Betriebsaufnahme voraussichtlich ab 2014

Die Vorstudie und das Wettbewerbsverfahren für das Nutztier- und das Stoffwechselzentrum mit Büro- und Laborgebäude starten noch in diesem Jahr und werden 2012 abgeschlossen.

Auf der Grundlage des Wettbewerbs wird der Kanton mit der ETH einen langjährigen Baurechtsvertrag für die Erstellung des Stoffwechselzentrums abschliessen.

2012 - 2013 erfolgt die Projektierung mit einem Umweltverträglichkeitsbericht und der Detailplanung der Bauvorhaben. Die Realisierung erfolgt ab 2013, die Inbetriebnahme der Bauten und Anlagen schrittweise zwischen 2014 und 2016.

Betriebskosten: Einsparung von jährlich 550.000 Franken

Die Gesamtkosten werden aufgrund einer ersten Grobkostenschätzung auf insgesamt 42,5 Mio. Franken veranschlagt. Beruhend auf den voraussichtlichen Eigentumsverhältnissen werden der Kostenanteil des Kantons (Nutztierzentrum und Forum) mit 21,5 Mio. Franken und derjenige der ETH (Stoffwechselzentrum inkl. Büro und Laborgebäude) mit 21 Mio. Franken veranschlagt.

Zusätzlich beteiligt sich die Schweizerische Universitätskonferenz am Bau der Respirationskammern als Teil des Stoffwechselzentrums. Die Universität Zürich hat dafür bereits einen Kredit von mehr als 3 Mio. Franken erhalten.

Ein Nachfolgeantrag für die Jahre 2013 - 2016 ist in Vorbereitung. Durch das gemeinsam betriebene Bildungs- und Forschungszentrum vermindern sich die Betriebskosten im Vergleich zum aktuellen betrieblichen Netto-Aufwand für die vorgese-henen Leistungen um jährlich 550.000 Franken auf voraussichtlich 2,68 Mio. Franken.

Mit der Realisierung des neuen Bildungs- und Forschungszentrums sind zahlreiche Massnah-men im Sinne der Nachhaltigkeit vorgesehen.

Dazu zählen die Nutzung des Regenwassers, der Einbezug der bestehenden, privat betriebenen Biogasanlage für die Güllebehandlung, der Bezug von Wärmeenergie aus der bereits vorhandenen Holzschnitzelheizung des Strickhofs und die Möglichkeit, eine Photovoltaikanlage auf den Dachflächen zu erstellen.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Mikroplastik findet man in allen möglichen Farben und Formen.; Bildquelle: Bernd Nowack / Empa

Mikroplastik in Gewässern

Qualvoll verendete Meeresvögel mit einem Bauch voller Plastikmüll; Plastikansammlungen so gross wie Inseln: Bilder wie diese hat heute praktisch jeder schon gesehen
Weiterlesen

Kontrollierte Flutung in der Orbe-Ebene; Bildquelle: Christian Roulier

Kontrollierte Flutung in der Orbe-Ebene: Win-win für Zugvögel und Landwirtschaft

Watvögel auf ihrer langen Reise von Afrika nach Nordeuropa finden einen neuen Platz zum Auftanken: Von März bis Mai werden 5 Hektar torfiges Kulturland bei Yverdon-les-Bains vorübergehend geflutet
Weiterlesen

Schweizer Tierschutz STS

Schweizer Tierschutz STS fordert besseren Vollzug der Tierschutzverordnung (TSchV)

Im März 2018 traten verschiedene Änderungen der Tierschutzverordnung (TSchV) in Kraft. Den Umsetzungsstand zweier neuer Bestimmungen - Deklarationspflicht für Heimtiergehege und Informationspflicht bei Verkaufsinseraten für Hunde - hat der Schweizer Tierschutz STS überprüft
Weiterlesen

Corinne Boss; Bildquelle: Agroscope

Corinne Boss übernimmt Kompetenzbereich Tiere und tierische Produkte bei Agroscope

Corinne Boss heisst die neue Leiterin des Kompetenzbereichs für Forschungstechnologie und Wissensaustausch Tiere und tierische Produkte von Agroscope; in dieser Funktion wird sie auch Mitglied der Geschäftsleitung
Weiterlesen

Schweizer Tierschutz STS

STS-Report: Tier- und Viehausstellungen 2018

Zum fünften Mal in Folge veröffentlicht der Schweizer Tierschutz STS einen umfassenden Bericht zu Tierausstellungen in der Schweiz
Weiterlesen

European Veterinary Diagnostic Imaging Meeting (EVDI) 2019

Kleintier-Röntgen in der Tierarztpraxis: Interpretation und Fallbesprechungen

Radiologie ist nicht nur etwas für Radiologen!  Während  des Europäischen Radiologie-Kongresses EVDI 2019 in Basel (21. bis 24. August 2019) findet eine Röntgenweiterbildung für praktizierende Tierärzte statt
Weiterlesen

Schneesperling ; Bildquelle: Marcel Burkhardt

Forschungsprojekt zum Schneesperling

Weil sein Bestand abnimmt und nur wenig über seine Biologie bekannt ist , hat die Vogelwarte Sempach nun ein Projekt gestartet, um die Ansprüche dieses Hochgebirgsbewohners besser zu verstehen
Weiterlesen

Stiftung Fledermausschutz

Stiftung Fledermausschutz rettet 71 Fledermäuse in Zürich

Im Februar 2019 erhielt die Stiftung Fledermausschutz einen Notruf: 71 Grosse Abendsegler müssen gerettet werden! In der Fledermaus-Notpflegestation im Zoo Zürich setzen die geschützten Tiere nun ihren Winterschlaf bis im Frühling fort
Weiterlesen